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Berliner Bühne: Der rote Gallier und der schwarze Peter

Berliner Bühne : Der rote Gallier und der schwarze Peter

Berlin (RPO). Wenn Politiker die Wahrheit über ihre Parteien sagen, sind sie entweder betrunken oder nicht mehr im Amt. Bei Christian Ude und Peter Gauweiler ist das anders. Der Münchner SPD-Bürgermeister und der erzkonservative CSU-Bundestagsabgeordnete tragen ihr Herz auf der Zunge, stehen gerne und oft quer zur Parteiräson.

In CSU und SPD sind die beiden so etwas wie freischwebende Dissidenten geworden. Ude, seit 16 Jahren mit Zweidrittel-Mehrheiten gewählter Oberbürgermeister der Bayern-Metropole ist der rote Gallier im CSU-dominierten Südstaat. Das geht nur, wenn man hin und wieder gegen die eigene Partei argumentiert. Der eigenwillige Gauweiler, Staatsminister a.D. und direkt gewählter Bundestagsabgeordneter, hat sich als CSU-Nörgler, Europa-Kritiker und Lafontaine-Freund längst alle Karrierechancen in der Partei verbaut.

CSU-Bundestagsabgeordneter Peter Gauweiler. Foto: ddp, ddp

So können der "schwarze Peter" und der "rote Christian" den Begriff des Parteisoldaten freizügig interpretieren. Öffentlich tun sie das in einer amüsanten, wechselnden Kolumne in einer Münchner Tageszeitung. Weil es diesen "Briefwechsel" zwischen Ude und Gauweiler nun auch als Taschenbuch (Keyser-Verlag) gibt und dies beworben werden muss, gönnten sich die rauen Bajuwaren eine Reise ins preußische Berlin.

Für die dortigen Politik-Beobachter, sonst eher starres Polit-Vokabular gewöhnt, ein Genuss. Es gab Politik ungeschminkt. So schimpfte der Sozialdemokrat Ude leidenschaftlich über die "Autosuggestion", mit der sich die SPD vor der Bundestagswahl zu einem vermeintlichen Kopf-an-Kopf-Rennen hochjubelte. Giftig kommentierte Ude die Verfehlungen seine Parteifreundin Ulla Schmidt und betonte, dass selbstverständlich Ferien "ohne Dienstwagen" mache.

In Sachen Querschüsse stand Gauweiler seinem Landsmann in nichts nach. "Mir schlafen bei den Fernsehnachrichten über unsere Spitzenleute regelmäßig die Füße ein", attestierte der CSU-Rebell der eigenen Parteispitze. Die Verweigerung der Union, einen echten Bundestagswahlkampf zu führen, kommentierte Gauweiler so: "Bevor ich mich erschieße, lass uns eine Flasche Bommerlunder trinken."

So pointiert wie Ude und Gauweiler brachte schon lange keiner mehr die Berliner Bühne auf den Punkt. Schade, dass die beiden nach 60 Minuten schon wieder zurück nach Bayern wollten. Von der Ferne lässt sich eben doch besser beobachten. Bitte wiederkommen!