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Berliner Bühne: Biografie-König Peer Steinbrück

Berliner Bühne : Biografie-König Peer Steinbrück

Die K-Frage in der SPD ist entschieden. Aus publizistischer Sicht jedenfalls. Gleich vier namhafte Journalisten schreiben derzeit eine Biografie über den sozialdemokratischen Ex-Finanzminister Peer Steinbrück. Von einem neuen Standardwerk über die beiden anderen Kanzlerkandidatenkandidaten Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier ist nichts bekannt.

Ende 2012. Anfang 2013. So lautet die offizielle Sprachregelung der SPD-Führung, wenn es mal wieder um die Frage geht, welcher Spitzensozialdemokrat denn nun bei der Bundestagswahl 2013 gegen Kanzlerin Angela Merkel antreten wird. Die K-Frage, sie soll möglichst spät entschieden werden. Das haben die Mitglieder der "Troika Zwo", die als Bewerber gehandelten Peer Steinbrück, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier, längst verabredet. Schließlich soll der SPD-Kanzlerkandidat nicht ein Jahr lang unter publizistischer und öffentlicher Dauerbeobachtung stehen.

Nun haben aber gerade die Beobachter in der schreibenden Zunft eine kleine Vorentscheidung gefällt. Gleich drei Biografien erscheinen dieses Jahr über Peer Steinbrück. Den Anfang macht wohl "Welt"-Autor und SPD-Experte Daniel Friedrich Sturm, der sich in einem 300 Seiten starken Buch mit dem schlichten Titel "Peer Steinbrück" (dtv-Verlag) dem politischen Leben und Wirken des beliebten Genossen widmen wird. Mit 100 Zeitzeugen, Weggefährten, Gegnern und Freunden von Steinbrück hat Sturm gesprochen. Erscheinungstermin: Ende Juni.

Der Noch-"Handelsblatt"-Korrespondent und künftige Berliner Büroleiter des "Focus", Daniel Goffart, beschreibt den politischen Werdegang Steinbrücks vom persönlichen Referenten zweier Bundesminister über den NRW-Regierungschef bis zum Bundesfinanzminister in einem ausführlichen Portrait im "Hoffmann und Campe"-Verlag. Und auch die Biografie-erprobten "FAZ"-Korrespondenten Markus Wehner und Eckart Lohse (unter anderem Autoren eins Buches über Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg) gehen dem Wirken des SPD-Bundestagsabgeordneten aus Mettmann nach. Das Konterfei von Peer Steinbrück dürfte also spätestens zur Frankfurter Buchmesse im Herbst die Bücherregale dominieren.

Schon wieder "Steinbrück-Festspiele"

In der SPD-Führung macht schon das Wort der "Steinbrück-Festspiele" die Runde, die Deutschland wieder einmal bevorstünden. Vor allem SPD-Chef Gabriel und Kanzlerkandidatenkonkurrent Frank-Walter Steinmeier erinnern sich noch lebhaft an die mediale Offensive ihres Parteifreunds im vergangenen Jahr. Im Oktober 2011 hatte Peer Steinbrück ein gemeinsames Buch mit SPD-Altkanzler Helmut Schmidt vorgestellt ("Zug um Zug") und diverse Lobeshymnen Schmidts über sich ergehen lassen müssen.

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Dass der Altkanzler so unverhohlen für Steinbrück als Kanzlerkandidat warb, kam in der basisorientierten SPD gar nicht gut an. Peer Steinbrück blieb das nicht verborgen, in kleiner Runde gelobte er Zurückhaltung. Nun soll er zumindest auch nicht besonders angetan sein, dass gleich drei Biografien über ihn erscheinen, heißt es aus seinem Umfeld. Verhindern kann er die Bücher natürlich nicht.

Von einem neuen Buchprojekt über Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Parteichef Sigmar Gabriel ist zumindest bisher nichts bekannt. Gabriels letztes Werk - "Links neu denken" - erschien 2009. Damals hatte der Umweltminister im Bundestagswahlkampf eine Neudefinition der politischen Mitte vorgenommen und sich als Hoffnungsträger der SPD in Stellung gebracht. Frank-Walter Steinmeier konterte als Kanzlerkandidat im Herbst 2009 mit einem sehr persönlichen Buch ("Mein Deutschland").

Die SPD-Linke, traditionell nicht gerade ein Unterstützergremium für den rustikal-wirtschaftsfreundlichen Peer Steinbrück, blickt der Bücheroffensive des Ex-Finanzministers mit Unbehagen entgegen. Allerdings, so verrät ein prominenter Parteilinker, habe man sich schon eine Gegenstrategie ausgedacht. "Wir können auch schreiben", sagt der SPD-Mann und lacht. Positionspapiere und Beschlüsse nämlich, die einem möglichen Kanzlerkandidaten Steinbrück noch weh tun könnten.

(das)