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Berlin: Unfall auf Autobahn A100 - Islamistisch motivierter Anschlag vermutet

Täter verhaftet : Ermittler gehen bei Unfallserie auf Berliner Stadtautobahn von islamistischem Anschlag aus

Ein 30-Jähriger soll am Dienstagabend auf einer Stadtautobahn in der Hauptstadt mehrere Unfälle verursacht haben. Es soll sich um einen islamistisch motivierten Anschlag handeln. Der Staatsschutz ermittelt.

Mehrere Unfälle auf der Berliner Stadtautobahn am Dienstagabend waren wahrscheinlich politisch motiviert. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) zeigte sich bestürzt über den Anschlag auf der Autobahn. „Nach jetzigem Stand der Erkenntnisse gehen wir von einem islamistischen Anschlag aus. Ein religiös motivierter Tathintergrund ist nicht auszuschließen“, teilte Geisel am Mittwoch mit.

"Ich bin bestürzt, dass Unbeteiligte aus dem Nichts heraus Opfer einer Straftat geworden sind", erklärte Geisel (SPD). Wenn sich persönliche Probleme mit "religiös aufgeladenen Vorstellungen" vermischten, könne dies zu unkontrollierbarem Handeln führen. "Die gestrigen Ereignisse zeigen uns sehr schmerzhaft, wie verletzlich unsere freie Gesellschaft ist", teilte er mit. Laut Geisel war unter den Schwerverletzten auch ein Feuerwehrmann, der auf dem Heimweg war. Die Polizei untersucht aber auch, ob der festgenommene Täter, ein 30-jähriger Autofahrer, psychisch gestört ist, wie ein Sprecher sagte.

Die Äußerungen des Fahrers legten eine religiös motivierte Tat nahe, sagte der Sprecher der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Mittwoch. Nach derzeitigem Stand gebe es aber keine Anhaltspunkte für eine Mitgliedschaft des Verdächtigen in einer terroristischen Vereinigung.

Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur, dass der Iraker in Kontakt gestanden habe zu einem als Gefährder bekannten Islamisten. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtete, der Gefährder werde dem Spektrum der Terrormiliz Islamischer Staat zugeordnet.

Gegen den Mann, der durch die Unfälle für stundenlange Sperrungen der Autobahn sorgte, ermittelt der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei. Wegen der andauernden Untersuchungen waren Teile der Autobahn auch am Mittwochmorgen noch gesperrt. Die Folge waren Behinderungen im Berufsverkehr. Laut der „B.Z.“ setzte die Polizei auch eine Drohne für Filmaufnahmen aus der Luft ein.

Der Autofahrer hatte an drei Stellen auf der Autobahn nahe der Berliner Innenstadt Unfälle verursacht. Dabei fuhr er auch Motorradfahrer um. Ein Sprecher der Feuerwehr sagte, drei Menschen seien schwer verletzt worden, drei weitere leicht, darunter auch ein Motorradfahrer.

Der Mann hatte im Internet Hinweise auf die geplante Tat veröffentlicht, bevor er mit einen Fahrzeug mehrere Menschen verletzte. Auf seiner Facebook-Seite postete der Iraker Fotos des Autos, mit dem er später absichtlich mehrere Fahrzeuge rammte, sowie religiöse Sprüche.

Laut Polizei hatte der Mann eine vermeintliche Munitionskiste dabei. Als er gestoppt wurde, habe er angekündigt, in der Kiste befände sich ein „gefährlicher Gegenstand“, sagte eine Polizeisprecherin in der Nacht. Kriminaltechniker durchleuchteten die Metallkiste. Sie sei für die Aufbewahrung von Munition geeignet gewesen. Die Kiste sei dann mit einem Wassergewehr aufgeschossen worden, sagte die Sprecherin. Allerdings entdeckte die Polizei darin aber nichts Verdächtiges, sondern lediglich Werkzeug. Sprengstoffspuren seien im Auto nicht gefunden worden.

Bei dem Anschlag ist auch ein Feuerwehrmann schwer verletzt worden. Der Kollege sei am Dienstagabend nach dem Dienst auf dem Nachhauseweg von den Zusammenstößen betroffen gewesen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Mittwoch. Der Schwerverletzte sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Ob er im Auto saß oder mit einem Motorrad fuhr, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Nach Informationen der „B.Z.“ soll der Mann schwere Kopfverletzungen erlitten haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Unfälle auf Berliner Autobahn waren wohl Terror-Anschlag

(cpas/dpa/AFP)