Renate Künast im Interview: "Berlin braucht mehr Polizei"

Renate Künast im Interview : "Berlin braucht mehr Polizei"

Berlin (RP). Renate Künast, Vorsitzende der Grünen und Bewerberin für das Oberbürgermeisteramt in Berlin spricht mit unserer Redaktion über erhöhte Polizeipräsenz, ökologische Veränderungen in der Bundeshauptstadt und und die sozialen Probleme Berlins.

Herzlichen Glückwunsch nachträglich zur Hochzeit!

Künast Oh, danke!

Macht man das jetzt so in Berlin, zu Beginn des Wahlkampfes die Partnerschaftsverhältnisse offen zu legen, so wie es Klaus Wowereit seinerzeit auch getan hat?

Künast Das hat damit gar nichts zu tun. Es ging darum, dass wir eine Trauzeugin hatten, die schwer krank war. Irgendwann wird es dann bekannt. Wahlkampf hin oder her.

Wird Ihr Mann auch eine öffentliche Rolle spielen? Oder wie der Kanzlerin-Gatte Joachim Sauer im Hintergrund bleiben?

Künast Mein Mann findet, dass Herr Sauer das sehr gut macht.

Welche Chancen sehen Sie, den Umfragevorsprung von Wowereit doch noch mal zu knacken?

Künast Die Chancen stehen gut. Der Wahlkampf geht jetzt erst richtig los. Erstmals seit langem geht es um ein Kopf-an-Kopf-Rennen und jetzt auch um inhaltliche Themen. Und da gibt es vieles, was bei Rot-Rot zehn Jahre liegen geblieben ist. Angefangen von der Polizei über die Schulen bis hin zu den Flugrouten — überall geht es um die Frage, wie die Zukunft Berlins aussehen soll. Wir dürfen uns nicht mehr damit zufrieden geben, dass Berlin für interessant gehalten wird, wir müssen die ökologischen und sozialen Probleme der Stadt lösen.

Sie nannten als erstes die Polizei — was wollen Sie konkret?

Künast Wir brauchen zum Beispiel eine bessere Ausstattung der Polizei. Wowereit sorgt kurzfristig im Wahlkampf für mehr Präsenz in den U- und S-Bahnhöfen, weil es dort ganz offensichtlich ein Sicherheitsproblem gibt. Er reißt damit aber Lücken an anderer Stelle. So funktioniert das nicht. Wir müssen nach besserer Effizienz innerhalb der Polizei schauen, aber auch genauer hingucken: Wo brauchen wir mehr Personal? Eine große Stadt braucht einen exzellenten öffentlichen Verkehr. Und die Menschen müssen sich in den U- und S-Bahnen sicher fühlen.

Wie bitte, haben wir das richtig verstanden: Die Grünen sind für mehr Polizisten?

Künast Die Grünen sind für Sicherheit im Alltag. Dazu gehörte immer auch, Deeskalationsstrategien durchzusetzen. Als Ergebnis haben wir heute eine andere Polizei als noch zu Zeiten der Studentenbewegung. Sie weiß, dass sie nicht nur Wahrer von Sicherheit und Ordnung ist, sondern auch Wahrer der Grundrechte aller Menschen. Ich bin stolz darauf, dass wir Grünen zu dieser Veränderung beigetragen haben. Die Entpersonalisierung im öffentlichen Verkehr ist für uns grundsätzlich ein Problem. Sicherheit ist nicht nur die Verfügbarkeit eines SOS-Knopfes, sondern auch die Anwesenheit von Personen, die intervenieren und helfen können.

Was ist Ihre zentrale Idee für die deutsche Hauptstadt?

Künast Es geht mir um die zentralen Themen Bildung, Arbeit und Klima. Da tut es not. In vielen Bereichen trägt Berlin die rote Laterne. Schlechte Löhne machen uns zur Hauptstadt der Aufstocker, jeder vierte Migrant verlässt die Schule ohne Abschluss, und auch beim Klimaschutz ist Berlin ganz weit hinten. Überall müssen wir das Potenzial der Hauptstadt besser nutzen. Ich will den Aufbruch der Stadt organisieren: Neue Arbeitsplätze durch besseren Klimaschutz schaffen und neben besseren Bildungsangeboten auch auf akzeptable Mieten achten. Das ist sozial und ökologisch.

Was wäre denn in einem grünen Berlin anders?

Künast Ich will, dass Berlin Klimahauptstadt und damit seiner Verantwortung gerecht wird — gegenüber den Berlinern ebenso wie gegenüber anderen Städten. 50 Prozent der Menschen wohnen in Städten. Deshalb müssen die Städte zeigen, dass man dort anders und ökologischer und sozialer leben kann als heute. Menschen mit niedrigen Löhnen dürfen nicht aus den Innenstädten verdrängt werden, Mieter dürfen mit den Nebenkosten durch die energetische Sanierung nicht allein gelassen werden — das müssen wir auch auf Bundesebene anschieben. Und ein Modernisierungsschub bei den öffentlichen Gebäuden schafft viele Arbeitsplätze. Mit einer Mobilitätskarte wäre es möglich, den gesamten öffentlichen Verkehr in der Stadt und im Umland zu nutzen und damit auch Fahrräder und Autos zu mieten. Alles klug vernetzen, das ist die Stadt des 21. Jahrhunderts. Und Berlin muss surren — also leiser werden. Das heißt: Vorrang für Elektromobilität, geräuscharmen Gewerbe- und Lieferverkehr. Für all das will ich Berlin zur Modellstadt machen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Renate Künast

(RP)
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