Streit um Atomkraft: Beck verteidigt Umweltminister Gabriel

Streit um Atomkraft : Beck verteidigt Umweltminister Gabriel

Frankfurt/Main (RPO). Kurt Beck erhöht den Druck. Der SPD-Chef hat sich im Streit um die Atromkraft in Deutschland hinter Umweltminister Sigmar Gabriel gestellt. "Wenn die Energieversorger jüngere Atomkraftwerke länger laufenlassen wollen, müssen ältere Meiler schneller vom Netz. Das steht so im Atomkonsens", sagte Beck der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" Zeitung laut Vorabmeldung.

Längere Laufzeiten bedeuteten unter diesen Bedingungen aber keine Abkehr vom Atomausstieg, den die Große Koalition einvernehmlich für 2021 beschlossen habe.

Der SPD-Chef betonte, Atomstrom bedeute nicht automatisch billigere Energie, vor allem nicht angesichts der ungeklärten Endlagerung des Atommülls. Die SPD setze auf Energiesparen, auf die Nutzung erneuerbarer Rohstoffe sowie auf moderne Kohle- und Gaskraftwerke, die schadstoffärmer und durch Kraft-Wärme-Kopplung deutlich effizienter seien.

CSU-Chef Erwin Huber appellierte an die SPD, Abstand von der Linie der ehemaligen rot-grünen Koalition zu nehmen und einer Verlängerung der Laufzeit zuzustimmen. In einem Interview der "Passauer Neuen Presse" forderte er die SPD auf, an Klima und Arbeitsplätze zu denken und vom "verhängnisvollen Irrtum ihrer Zusammenarbeit mit den Grünen Abschied zu nehmen".

Unterdessen berichtete das "Handelsblatt", dass eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten den deutschen Energiekonzernen zweistellige Milliardensummen an zusätzlichen Einnahmen bescheren könnte. Nach Berechnungen der Analysten des Bankhauses Sal. Oppenheim würde eine Laufzeitverlängerung von acht Jahren für RWE einen Wert von gut acht Milliarden Euro bringen, schreibt die Zeitung. Für E.ON würden die Zusatzeinnahmen auf gut zwölf Milliarden Euro geschätzt.

EnBW-Chef Hans-Peter Villis ist nach eigenen Worten bereit, diese Vorteile unter anderem in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in die Energieforschung zu investieren, sagte er dem "Handelsblatt" laut Vorabmeldung.

Die Energiekonzerne beschlossen mit der damaligen rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 den Atomkonsens. Danach dürfen Atomkraftwerke eine bestimmte Reststrommenge produzieren, bevor sie abgeschaltet werden. Vor allem Politiker der Union fordern eine Verlängerung der Laufzeiten oder gar die Rücknahme des Atomausstieges.

Hier geht es zur Infostrecke: Atomstreit auch in der Presse

(ap)
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