Bayerischer AfD-Abgeordneter Roland Magerl nennt Journalisten „Ratten“ und rudert dann zurück

Auf Parteitag : Bayerischer AfD-Abgeordneter beschimpft Journalisten als „Ratten“

Bei dem Parteitag der heftig zerstrittenen AfD in Bayern hat ein Politiker für Aufregung gesorgt. Roland Magerl bezeichnete bei seiner Rede Journalisten als „Ratten“.

Der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Roland Magerl hat Journalisten auf einem AfD-Landesparteitag öffentlich als "Ratten" bezeichnet. In einer Debatte über die zerstrittene AfD-Landtagsfraktion ging Magerl am Sonntag in Greding gezielt ans Mikrophon und berichtete darüber, wie Interna aus der Fraktion nach außen getragen werden und die "Ratten" der Medien dieses dann ausnutzen würden. Die Äußerung leitete er damit ein, dass die Delegierten ihm zuhören sollten.

Magerl ging wenige Minuten nach der Äußerung erneut ans Mikrophon und entschuldigte sich vor den gut 4e00 Delegierten für den Begriff. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP sagte der 46-Jährige, er habe das Wort aus der Emotion heraus gesagt und im Affekt gehandelt.

Magerl sagte AFP, er ärgere sich darüber, dass die bayerische Landtagsfraktion nicht mit ihrer Sacharbeit nach außen dringe, weil der Streit der Fraktion alles überlagere. Magerl räumte aber ein, dass der Streit von den eigenen AfD-Fraktionsmitgliedern selbst nach außen getragen werde.

Die Streitigkeiten waren offensichtlich: Nur mit knapper Mehrheit beschlossen die anwesenden AfD-Mitglieder, zwei Anträge auf eine vorgezogene Neuwahl des Landesvorstands nicht weiterzuverfolgen. Der Vorstand soll nun Mitte September komplett neu gewählt werden.

Der Sonderparteitag musste nach heftigen internen Streitigkeiten auf Druck von Teilen der AfD-Basis einberufen werden. Inhaltlich tobt seit langem ein Streit zwischen Anhängern des rechtsnationalen „Flügels“ um den Thüringer Landeschef Björn Höcke und eher gemäßigten Kräften. Hinzu kommen Querelen innerhalb der Landtagsfraktion und auch innerhalb des Landesvorstands.

AfD-Landeschef Martin Sichert, der selbst heftig in der Kritik steht, rief die Partei zu Geschlossenheit auf. Den Thüringer Landeschef Höcke griff er scharf an: Dieser solle sich um Thüringen kümmern und aufhören, sich immer wieder in Bayern einzumischen und Abstimmungen in der Fraktion zu beeinflussen: „Hör endlich auf, uns zu spalten.“

Tatsächlich ist die Landtagsfraktion tief zerstritten: Für Schlagzeilen sorgten der Fraktionsaustritt zweier Abgeordneter, der versuchte und dann abgeblasene Rauswurf eines dritten Abgeordneten und heftiger Streit über zwei interne Kassenprüfberichte. Zuletzt gipfelte der Dauerstreit darin, dass mehrere Abgeordnete eine Anzeige gegen ihre Fraktionsvorsitzende Katrin Ebner-Steiner ankündigten, wegen der gezielten Veröffentlichung privater E-Mails.

(mja/dpa/AFP)
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