Bauernverband will Preise für Schweinefleisch verdoppeln

Wegen hoher Tierschutzauflagen: Bauernverband will Preise für Schweinefleisch verdoppeln

Der Bauernverband schlägt wegen Tierschutzvorgaben Alarm. Mastschwein-Experten befürchten teureres Futter aufgrund der Dürre.

Der Deutsche Bauernverband hat nahezu eine Verdoppellung der Schweinefleischpreise gefordert, weil Schweinemäster sonst vor dem Bankrott durch neue Tierschutzauflagen stünden. Zugleich warnte der Verband vor einer Zunahme von hormonbehandeltem Fleisch. Verbandsvizepräsident Werner Schwarz sagte unserer Redaktion: „Schweinefleisch müsste für die Verbraucher fast doppelt so teuer werden, damit wir die Tierschutzvorgaben wie die Kastration von Ferkeln unter Narkose oder deutlich mehr Platz für die Sauen erfüllen können – ohne Bankrott zu gehen. Wir würden damit nicht mehr Geld verdienen, sondern nur unseren Standard halten.“

Er kritisierte, dass sich viele Menschen zwar eine bessere Haltung der Schlachttiere wünschten, aber oft nicht bereit seien, dafür mehr Geld auszugeben. „Die Menschen wünschen sich die frei laufende Sau unter dem blühenden Apfelbaum – können oder wollen das aber oft nicht bezahlen. Denn: Sie empfinden keinen Mehrwert, wenn sie für weniger Fleisch mehr Geld bezahlen sollen.“ Elektroräder und Rasenroboter seien zwar teurer als herkömmliche Fahrräder und Rasenmäher, aber eine Erleichterung im Alltag.  „Wenn das Fleisch mehr kostet, hat der Verbraucher davon keinen direkten Mehrwert.“

Auch der Geschäftsführer des Rheinischen Erzeugerringes für Mastschweine sowie der Viehvermarktung Rheinland, Frank Greshake,  sagte unserer Redaktion, die Landwirte machten sich keine Illusionen. Preiserhöhungen seien schwer durchzusetzen. Allein wegen der Dürre und der deshalb steigenden Futterkosten für die Tiere taxierte er eine nötige Preiserhöhung für das Kilogramm Schweinefleisch auf rund 50 Cent. Er verwies darauf, dass die Preise bei den Kühen gefallen seien. Milchbauern hätten in den letzten Wochen viel mehr Kühe zum Schlachter bringen müssen als üblich. „Und den Blödsinn aus der Politik, die Ackerbauern sollten jetzt Futterpflanzen für die Rinderhalter anbauen, kann hier auch keiner mehr hören. Nach dem 15. August ist eine Saat für eine Heu- oder Silageernte zu spät - und die Böden sind ja immer noch trocken.“ Die Leidtragenden seien nicht nur Milchbauern, sondern auch Pferdehalter, Schafhalter und Tierparks. „Heu und Heulage sind nicht nur extrem knapp, sondern auch brandteuer. Und das bis Mitte nächsten Jahres.“

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Werner Schwarz mahnte, Politiker sollten wissen, dass Schweinebauern etwa 1000 Tiere im Monat mästen müssten, um auf Bezüge eines Landtagsabgeordneten mit Aufwandspauschalen für Mitarbeiter und Büro von etwa 11.000 Euro im Monat zu kommen. Vor allem seien jetzt verlässliche Vorgaben aus der Politik nötig. „Wenn Bauern ihre Ställe für ein paar Hunderttausend Euro umbauen und die Vorgaben in fünf Jahren wieder verschärft werden, können sie das kein zweites Mal bezahlen. Wir brauchen Planungssicherheit für 15 Jahre.“

Der Kostenaufwand, einen Tierarzt kommen zu lassen, der die Ferkel in Vollnarkose lege und dann kastriere, liege je nach Größe des Betriebes bei sechs Euro pro Tier. Der Ertrag für den Schweinehalter pro Ferkel liege aber insgesamt nur zwischen fünf und 15 Euro. „So würden in Deutschland viele Sauenhalter ihren Stall dichtmachen müssen, wenn sie diese Kosten voll zu tragen hätten.“ Denn Mäster könnten die Ferkel ohne diesen finanziellen Aufwand in Dänemark oder in den Niederlanden kaufen. Schwarz schlug als eine kostengünstigere Lösung vor, Ferkel wie in Skandinavien bei lokaler Betäubung zu kastrieren. Das würden die Bauern selbst machen können.

Er warnte: „Es gibt noch eine Alternative zur Kastration: Hormone zu spritzen, damit die Geschlechtsreife des Ebers hinausgezögert wird bis das Tier zum Schlachter kommt, also bevor es durch die Geschlechtsreife anfängt, unangenehm zu riechen, was den Fleischgenuss zerstört. Aber wollen wir hormonbehandeltes Fleisch?“

(kd)
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