Bauernverband fordert bewussteren Einkauf Erdbeeren aus Australien - „das muss nicht sein“

Exklusiv | Berlin · Der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) macht Front gegen „Ramschpreise“ bei Lebensmitteln. Nun ruft Bauernpräsident Joachim Rukwied die Verbraucher dazu auf, im neuen Jahr bewusster einzukaufen. Damit schone man auch das Klima, so Rukwied.

 Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert die Verbraucher auf, im neuen Jahr bewusster einzukaufen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied fordert die Verbraucher auf, im neuen Jahr bewusster einzukaufen.

Foto: dpa/Daniel Maurer

Für den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sind Dumping-Preise für Lebensmittel ein Unding. Motoröl dürfe nicht wichtiger sein als ein „gutes Salatöl“, so der Grüne am Wochenende. Er stimmte damit in den Chor seiner Minister-Vorgänger ein, die ebenfalls regelmäßig mehr Wertschätzung für Lebensmittel verlangt haben. Nun ruft der Bauernverband die Verbraucher dazu auf, im neuen Jahr schon mal bewusster einzukaufen. Erdbeeren aus Australien gehörten nicht in den Einkaufskorb, so Bauernpräsident Joachim Rukwied zu unserer Redaktion.

Özdemir hatte weiter betont, es dürfe keine „Ramschpreise“ für Lebensmittel mehr geben. Bauernhöfe würden in den Ruin getrieben, mehr Tierwohl werde verhindert, das Artensterben befördert und das Klima belastet. Aus Sicht des Bauernverbandes kann freilich schon mit einem veränderten Einkaufsverhalten viel bewirkt werden. So sollten die Verbraucher es sich zum guten Vorsatz für 2022 machen, die regionale Landwirtschaft zu unterstützen, sagte Rukwied.

Alle würden über Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz sprechen. „Aber müssen es im Januar wirklich die Himbeeren oder Erdbeeren aus Australien, Kartoffeln aus Ägypten oder Fleisch aus Südamerika sein – oder schmeckt nicht auch der Apfel aus Deutschland?“ Kurze Transportwege schonten zudem das Klima, ergänzte Rukwied. Die heimischen Bauern lieferten alles für den täglichen Bedarf: „Saisonales Gemüse, klimafreundliche Milchprodukte und Tierwohl-Fleisch.“

Die Aufforderung entspricht dem Trend: Laut aktuellem Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist die Regionalität der Produkte bei der Auswahl der Lebensmittel 82 Prozent der Verbraucher wichtig. Das gilt besonders bei frischem Obst und Gemüse sowie bei Eiern. Auch bei Brot und Backwaren (83 Prozent), bei Fleisch und Wurstwaren (78 Prozent) sowie bei Milchprodukten (71 Prozent) wird darauf viel Wert gelegt. Gut schmecken muss es 99 Prozent der Befragten, für 91 Prozent muss Essen gesund sein. 87 Prozent meinten zudem, dass ein verstärkter Konsum von Produkten, die regional erzeugt oder hergestellt wurden, eine geeignete Maßnahme darstellt, um die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren. Die Verbraucher würden mit jedem Einkauf entscheiden, wo Ihre Lebensmittel herkämen, betonte Rukwied. Deswegen sollten Kunden regional und saisonal einkaufen, „am besten direkt vom Bauern“.

Wenn’s ums Essen geht, rät übrigens die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) regelmäßig dazu, einige Regeln zu beachten. Viel Gemüse und Obst sollte man täglich zu sich nehmen, dazu Milch- und Getreideprodukte. Und nur ein- bis zweimal die Woche Fleisch.