Barometer 2018: So läuft es mit der Integration

Studie : So läuft es mit der Integration

Allen Diskussionen über Migration und Flüchtlinge zum Trotz haben die Menschen in Deutschland ein überwiegend positives Bild vom Zusammenleben mit Zuwanderern. Das geht aus einer Studie des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration hervor.

Für das "Integrationsbarometer" befragt der Sachverständigenrat die Teilnehmer zu zahlreichen Themen rund um Migration und Integration. Aus den Ergebnissen wird ein Index mit Werten zwischen null und 100 errechnet. Je höher der Wert, desto besser wird das Integrationsklima eingeschätzt. Zuletzt lag der Index den Angaben zufolge bei 63,8 Punkten für Menschen ohne und bei 68,9 Punkten für Menschen mit Migrationshintergrund.

Eingetrübt hat sich dem "Integrationsbarometer" zufolge das Klima seit der vorherigen Erhebung von 2016 dort, wo der Integrationsalltag nicht persönlich erlebt wird. Dies erkläre zu einem erheblichen Teil den Unterschied in der Beurteilung zwischen Menschen im Osten und im Westen Deutschlands. "Am besten können etwaige wechselseitige Vorbehalte in der persönlichen Begegnung abgebaut werden", heißt es in der Untersuchung.

Insgesamt ist das Integrationsklima der Studie zufolge stabil: "Die Alltagserfahrungen sind deutlich besser, als der Diskurs erwarten lässt." Die Ergebnisse des "Integrationsbarometers", die auf den meist ganz unspektakulären Alltagserfahrungen beruhten, setzten insgesamt "einen Kontrapunkt zum medialen Diskurs, der oft eher die natürlich auch vorhandenen negativen Erfahrungen oder Fälle in den Mittelpunkt rückt".

Die integrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gökay Akbulut, erklärte, "konservative und rechte Politiker" versuchten, den Menschen beim Thema Migration Angst einzuflößen. "Das 'Integrationsbarometer' zeigt: Die Bevölkerung fällt auf diesen Trick nicht herein."

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Auch die integrationspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Filiz Polat, erklärte, der "Abschottungswahn und Asyltourismus-Populismus der CSU" habe wenig mit der Stimmung im Land zu tun. Die Mehrheit der Menschen lasse sich nicht anstecken von einer "pöbelnden und spaltenden Minderheit".

Eine geringfügige Verschlechterung gegenüber dem "Integrationsbarometer" 2016 zeigte sich bei Menschen ohne Migrationshintergrund und bei Zuwanderern aus EU-Mitgliedstaaten. Türkischstämmige Menschen sind dagegen nach wie vor am skeptischsten von allen Zuwanderergruppen, aber etwas positiver als noch vor zwei Jahren.

Große Unterschiede zeigten sich in der Untersuchung zwischen den Einstellungen zu Zuwanderern der jüngeren Vergangenheit und denjenigen, die schon lange hier leben. Sowohl Befragte mit als auch ohne Migrationshintergrund sind demnach der Ansicht, dass schon lange in Deutschland lebende Migranten und deren Nachkommen nicht zu steigender Kriminalität beitragen. Bezogen auf Flüchtlinge sei die Bevölkerung in dieser Frage hingegen unentschieden. Spätaussiedler seien sogar mehrheitlich der Meinung, dass durch Flüchtlinge die Kriminalität zugenommen habe.

Für das Integrationsbarometer 2018 wurden zwischen Juli 2017 und Januar 2018 insgesamt 9298 Personen bundesweit telefonisch über Mobil- und Festnetznummern befragt. Darunter waren 2720 Menschen ohne Migrationshintergrund, 1438 Spätaussiedler, 1479 Türkischstämmige sowie 1532 Zuwanderer aus einem EU-Land und 1760 aus einem anderen Land.

(ham/AFP)
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