Großprojekt Stuttgart 21 Bahn-Chef Grube kompromissbereit

Berlin (RPO). Bahn-Chef Rüdiger Grube hat im Streit um das Bahnprojekt "Stuttgart 21" Kompromissbereitschaft signalisiert. Grundsätzlich sei es denkbar, mit dem Abriss des Südflügels bis nach der Volksabstimmung im Herbst zu warten, sagte er in einem Interview. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) begrüßte die Ankündigung Grubes.

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Foto: dapd

Bedingung für ein Abwarten beim Abriss des Südflügels sei, "dass uns finanziell und rechtlich keine Nachteile entstehen und dass das Projekt nicht weiter verzögert wird", sagte Grube. Das müsse Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ihm verbindlich zusichern. "Wir wollen ja niemanden unnötig provozieren und schon gar nicht eskalieren", sagte Grube der "Süddeutschen Zeitung" vom Donnerstag.

Grundsätzlich gesprächsbereit

Kretschmann hatte zuvor die Bahn davor gewarnt, den Südflügel vor der für Ende November geplanten Volksabstimmung abzureißen. Grube sagte, von dieser Forderung des Ministerpräsidenten habe er bislang nur aus der Zeitung erfahren. Die Bahn stehe aber grundsätzlich "immer für Gespräche zur Verfügung, wir favorisieren den Dialog".

Landesverkehrsminister Hermann begrüßte die Kompromissbereitschaft des Unternehmens beim Abriss des Südflügels. "Offenbar hat Herr Grube erkannt, dass ein baldiger Abriss zu einer Eskalation beitragen könnte", erklärte Hermann. Er wies aber zugleich darauf hin, dass die Bahn den Abriss nach der bisherigen internen Bauplanung ohnehin viel später vorgesehen habe. Ein Teilabriss sei für Februar 2012 geplant gewesen, der vollständige Abriss erst zwischen Dezember 2013 und März 2020.

Gegen Kombination

Bahn-Chef Grube wandte sich zudem gegen den von Schlichter Heiner Geißler ins Gespräch gebrachten kombinierten Kopf- und Tiefbahnhof. Die Idee sei Anfang der 90er Jahre "ausführlich diskutiert und damals aus guten Gründen nicht weiter verfolgt worden", sagte Grube. Aus heutiger Sicht sei "Stuttgart 21 dem Kombi-Bahnhof überlegen - und zwar sowohl städtebaulich, wirtschaftlich, ökologisch als auch verkehrlich."

Hermann widersprach dieser Einschätzung. Er sei "keineswegs ein glühender Anhänger" einer Kombination aus Tief- und Kopfbahnhof, aber das Kombimodell biete im Vergleich zu "Stuttgart 21" deutliche Vorteile. Es wäre nach Berechnungen von Experten seines Hauses mit geringeren Kostenrisiken verbunden, brächte erhebliche Vorteile für den Nah- und Regionalverkehr und ließe sich schrittweise bei einer funktionierenden Infrastruktur realisieren.

(AFP)
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