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Politbarometer zeigt Beliebtheit: Außenminister Westerwelle stürzt ab

Politbarometer zeigt Beliebtheit : Außenminister Westerwelle stürzt ab

Berlin (RP). Anders als die Außenminister Fischer und Steinmeier und anders auch als sein Vorbild Genscher kann der FDP-Chef vom neuen Amt nicht profitieren: Guido Westerwelle fällt in der Gunst der Deutschen.

Berlin Joschka Fischer wurde Außenminister — und war Monate später der beliebteste Politiker Deutschlands. Frank-Walter Steinmeier wurde Außenminister — und war Monate später der beliebteste Politiker Deutschlands. Jetzt ist Guido Westerwelle Außenminister — und stürzt in der Beliebtheit ab wie selten ein Regierungsmitglied vor ihm.

0,9 lautete die Beurteilung der Deutschen auf einer Skala zwischen +5 und -5 für Westerwelle kurz nach dem Wahlsieg im Oktober. Das war einsame Spitze für den FDP-Politiker, der von den Bürgern zwar seit vielen Jahren im ZDF-Politbarometer zu den "zehn wichtigsten" Politikern Deutschlands gezählt wird, der aber vor drei, fünf oder sieben Jahren meistens nur zwischen 0,1 und -0,7 bewertet wurde. Also schlecht.

Insofern ließen die 0,9 auf eine Wende auch in der Wahrnehmung schließen. Der seriöse Vizekanzler hatte sich völlig verabschiedet von dem Spaßpolitiker aus dem Big-Brother-Container. Und seine ersten Auftritte auf internationalem Parkett bekam er sogar auf Englisch hin.

Von seinem Vorbild Hans-Dietrich Genscher (Außenminister von 1974 bis 1992 und FDP-Chef von 1974 bis 1985) hatte er gelernt, dass der Glanz des Außenamtes das ein oder andere Prozentpünktchen an Sympathie auch für die Partei mit sich bringen kann.

Doch schon kurz nach dem Amtsantritt war die Sympathie-Erwartungshaltung zusammengeschrumpft: Nur noch 0,3 im November, nur noch 0,2 zur Jahreswende, und gestern Abend präsentierte die Forschungsgruppe Wahlen erstmals wieder ganz magere Minuswerte: - 0,3 für den Vizekanzler. Damit hat er sich gefühlte Lichtjahre von seinem Kabinettsrivalen, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, entfernt.

Der liegt mit plus 2,1 weiter auf Platz eins vor Angela Merkel (1,5), Ursula von der Leyen (1,1), Wolfgang Schäuble (0,9), Frank-Walter Steinmeier (0,6), Sigmar Gabriel (0,5), Horst Seehofer (0,1) und eben weit vor Westerwelle. Nur die Linken Gregor Gysi (- 0,4) und Oskar Lafontaine (-0,7) werden noch schlechter bewertet.

Die Distanz der Wähler zum Wahlsieger kommt auch darin zum Ausdruck, dass der liberale Jungstar, Gesundheitsminister Philipp Rösler, im Dezember noch mit 0,5 bewertet, inzwischen aus dem Kreis der zehn Wichtigsten wieder herausgeflogen ist, und auch die drei anderen liberalen Kabinettshoffnungen, Rainer Brüderle, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Dirk Niebel, nicht dazu gehören.

Für den Demoskopen Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen belegt die Entwicklung, dass das Phänomen des stets beliebten Außenministers "kein Automatismus" ist. Auch FDP-Minister Klaus Kinkel sei phasenweise auf -0,3 gekommen.

Wie Jung unserer Zeitung weiter erläuterte, ist bei der Beliebtheit des Vizekanzlers zwar "grundsätzlich Luft nach oben". Doch sei Westerwelle schon so lange in der Politik, dass er mehr als FDP-Chef wahrgenommen werde und weniger als ein über dem Parteienstreit stehender Außenminister, der die gemeinsamen deutschen Interessen in der Welt vertrete.

Die Debatten um die Parteispenden aus der Hotelbranche und das Eintreten der FDP für niedrigere Hotelsteuern hätten alte Unterstellungen unterstützt. Zudem habe sich Westerwelle zuletzt vor allem der Afghanistan-Problematik annehmen müssen — kein Themenfeld, mit dem man bei den Deutschen punkten könne.

Im Vordergrund stünden die aktuellen innenpolitischen Auseinandersetzungen um Steuern und Gesundheit — und da erscheine Westerwelle als "zielgruppeninteressenorientiert" und nicht "gemeinwohlorientiert". Sympathisch macht das nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Westerwelle und sein Partner in Japan

(RP)