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Arbeitszeit-Regelungen für Zuhause: Hubertus Heil lässt beim Homeoffice-Gesetz nicht locker

Arbeitszeit-Regelungen für Zuhause : Arbeitsminister Heil lässt beim Homeoffice-Gesetz nicht locker

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) stemmt sich beim geplanten Homeoffice-Gesetz gegen Pläne der Union, die bestehenden allgemeinen Arbeitszeit-Vorschriften zu lockern. „Auch im Homeoffice muss mal Feierabend sein“, betonte Heil am Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Bundestag.

Arbeitszeitgesetze dienten der Gesundheit der Beschäftigten und seien schon heute viel flexibler als viele glaubten, so Heil. „Die vollständige Entgrenzung von Erwerbsarbeit ins Privatleben kann nicht im Interesse einer sozialen Marktwirtschaft sein.“

Heils Gesetzentwurf, der zahlreiche Regelungslücken beim Homeoffice schließen soll, ist innerhalb der Koalition heftig umstritten. Heil wollte ursprünglich ein gesetzlich verankertes Recht auf Homeoffice einführen, was Wirtschaftsverbände und der Koalitionspartner jedoch strikt ablehnen. Heil hatte daher am Wochenende seine bisherigen Pläne fallengelassen, einen Rechtsanspruch für Arbeitnehmer auf Homeoffice an mindestens 24 Tagen im Jahr einzuführen. An den Neuregelungen etwa für mehr Arbeitsschutz im Homeoffice will er aber festhalten. Ein Gegenvorschlag von CDU und CSU sieht unter anderem vor, dass die Betroffenen ihre Arbeitszeiten im Homeoffice flexibel handhaben können. Künftig soll nach Vorstellungen der Union nur noch die EU-Regel gelten, wonach maximal 48 Stunden in einer Woche gearbeitet werden darf. Bisher gilt in Deutschland ein Acht-Stunden-Tag, der nur ausnahmsweise überschritten werden darf.

„Ich möchte den Menschen den Rücken stärken, die mobil arbeiten wollen und die auch mobil arbeiten könnten“, sagte Heil unserer Redaktion. „Leider ist die Union noch nicht soweit, einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten zu schaffen, wo das möglich ist“, erklärte er. „Deswegen bleibe ich bei meinen Vorschlägen für einen modernen Rechtsrahmen. Ich will dann zumindest ein Recht der Beschäftigten, über Möglichkeiten des mobilen Arbeitens mit dem Vorgesetzten zu sprechen“, sagte der SPD-Politiker. „Und ich möchte den Versicherungsschutz und den Arbeitsschutz der Menschen im Homeoffice verbessern. Mit der Arbeitszeiterfassung bei der mobilen Arbeit schützen wir vor der Entgrenzung und sorgen dafür, dass auch im Homeoffice mal Feierabend ist“, so Heil.

Mehr als jeder vierte Deutsche empfindet die Vermischung von Arbeit und Privatleben durch das Arbeiten zu Hause als belastend. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität Chemnitz im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Rund 60 Prozent der Befragten gaben an, dass im Homeoffice „die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen“, wie die Krankenkasse am Mittwoch in Hamburg mitteilte.

Zwar könnten wichtige wirtschaftliche Prozesse durch Homeoffice aufrecht erhalten werden, doch habe diese Arbeit auch Nachteile. Über einen längeren Zeitraum betrachtet falle auf, „dass sich besonders berufstätige Frauen im Homeoffice mit kleinen Kindern von der Doppelbelastung erschöpft fühlen“, sagte Studienleiter Bertolt Meyer von der TU Chemnitz. Frauen seien zudem häufiger von einem Burn-out betroffen als Männer.

Eine wichtige Voraussetzung für das Arbeiten zu Hause ist der Studie zufolge das Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Arbeitgebern: „Das sorgt für Motivation“, so Sai-Lila Rees vom Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG). Neben einer arbeitsgerechten Ausstattung auch im privaten Büro, trage regelmäßiger Austausch mit Kollegen zu einem „erfolgreichen und gesunden Homeoffice“ bei. Dabei gelte es auch, auf regelmäßige Pausen und einen pünktlichen Feierabend zu achten.

Für die Studie befragte die TU Chemnitz im Frühjahr 2020 bundesweit insgesamt mehr als 2.900 Berufstätige per Online-Fragebogen zu ihrer Arbeitssituation und psychischen Befindlichkeit.

(mit Agenturen)