Lohnrunde 2014/15: Arbeitgeber warnen vor schwacher Konjunktur

Lohnrunde 2014/15 : Arbeitgeber warnen vor schwacher Konjunktur

Die deutschen Arbeitgeber sehen Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung. Diese dürften die anstehenden Tarifverhandlungen in einigen Branchen erschweren. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, hat dafür plädiert, Tarifverträge weiter differenziert nach Branchen und Regionen abzuschließen.

"Ich glaube, dass das Wachstum in diesem Jahr noch bei um die zwei Prozent bleiben wird", sagte Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer am Dienstag in Berlin. Es gebe aber "graue Wolken am Horizont" - vor allem in Form rückläufiger Auftragseingänge.

Das könnte das Wachstum 2015 und 2016 dämpfen. "Wir stehen nicht in der Gefahr einer Rezession", schränkte er jedoch ein. Auch eine Deflation - eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und einer schrumpfenden Wirtschaftsentwicklung - sehe er nicht. Die Tarifabschlüsse des ersten Halbjahres lagen nach Angaben des Verbands zwischen 1,2 und 3,1 Prozent. Das bedeute wegen der Mini-Inflation real Einkommenszuwächse für die Beschäftigten.

Allerdings würden die im zweiten Halbjahr anstehenden Tarifverhandlungen, wie etwa in der Papierindustrie und der Textilbranche, schwierig. "Die Abschwächung und Unsicherheit wird sich auch in der Tarifpolitik der kommenden Jahre niederschlagen." Kramer sprach sich für produktivitätsorientierte und flexible Lösungen je nach Umfeld der Branchen aus. Dass sich zuletzt auch die Bundesbank und die Europäische Zentralbank (EZB) zur Lohnpolitik geäußert haben, nannte der Arbeitgeber-Präsident "überflüssig und nicht hilfreich".

Kramer wies Interpretationen von Äußerungen aus der EZB zurück, nach denen die deutschen Löhne stärker steigen sollten. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit hierzulande verschlechtern, was auch der EU-Wirtschaft insgesamt schadete. Der Bundesregierung warf Kramer vor, im ersten Halbjahr mehr für das Verteilen von sozialen Wohltaten getan zu haben, als zur Stärkung der deutschen Wirtschaft. Das sollte sie nun ändern, forderte er. Ansatzpunkte dafür wären Investitionen im Bereich Infrastruktur, Bildung und Wissenschaft.

(REU)
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