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Antisemitismus: Gegen die Feinde der Demokratie – Kommentar

Antisemitismus : Gegen die Feinde der Demokratie

Der Antisemitismus hat im Corona-Jahr 2020 deutlich zugenommen. Jetzt will der Bund die Ursachen für Rechtsextremismus und Judenhass besser erforschen lassen. Auch Corona-Leugner sind angesprochen.

Ob es hilft? Hoffentlich hilft es! Der Bund pumpt in den nächsten Jahren 35 Millionen Euro in die wissenschaftlichen Denklabore, um die Ursachen von Antisemitismus und Rechtsextremismus besser zu erforschen. Wissen, Aufklärung und Bildung sollen helfen, auch Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern mit ihren kruden Ideen und abstrusen Thesen die Unterstützung von Mitläufern zu entziehen. Den Überzeugungstätern wird mit diesem Forschungsprogramm, das Bundesministerin Anja Karliczek nun aufgelegt hat, nicht beizukommen sein. Aber vielleicht können die Millionen Euro aus der Staatskasse den Zulauf für Rechtsextremisten und Antisemiten etwas eindämmen, wenn man zumindest ein wenig aus der völligen Ahnungslosigkeit über jüdisches Leben und jüdische Kultur geholt wird.

Offener Antisemitismus und Judenhass sind eine Schande in diesem Land. Die Aggression gegen Jüdinnen und Juden wie auch antisemitische Straftaten haben im Corona-Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 deutlich zugenommen. Alte Muster sollen ziehen (und bei den Verblendeten ziehen sie), wenn eine Minderheit zum Sündenbock für Aufkommen und Verbreitung eines Virus gemacht werden soll. Die Feinde der Demokratie organisieren sich. Dagegen muss der Widerstand aller Demokraten stehen wie auch der Rechtsstaat seine Möglichkeiten ausschöpfen muss. Antisemitische Hassbotschaften sind in den Untiefen des weltweiten Netzes und den sozialen Medien ebenso schnell wie gefahrlos verschickt. Verschwörungsglaube ist verlockend, weil man ja nichts beweisen muss. Wissen hat dagegen schon oft geholfen – gegen blinde Gefolgschaft und Ahnungslosigkeit. Insofern ist dieses Forschungsprogramm jeden Euro wert.