Anschlag in Halle/Saale: Was bisher zu Tat, Opfern und Täter bekannt ist

Anschlag auf Synagoge in Halle : Was bisher zur Tat, zu den Opfern und dem Täter bekannt ist

Der Anschlag eines mutmaßlichen Rechtsextremen auf die Synagoge in Halle und der Mord an zwei Menschen hat ganz Deutschland erschüttert. Was bisher zum Tatgeschehen, zu den Opfern und dem mutmaßlichen Täter bekannt ist. Ein Überblick.

WELCHES ZIEL HATTE DER TÄTER?

Der Plan des bewaffneten Täters war es offenkundig, am Mittwoch gezielt in die Synagoge im Paulusviertel in Halle einzudringen. Die Synagoge stand zu diesem Zeitpunkt nicht unter Polizeischutz. Nach Angaben des Vorsitzenden der dortigen Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, wollte der Täter die Türen zur Synagoge aufschießen. Auch Sprengsätze soll er eingesetzt haben. In dem Gotteshaus befanden sich am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur demnach 70 bis 80 Menschen. Die Türen, die die Besucher der Synagoge zusätzlich von innen verbarrikadierten, hielten stand. Der Täter soll auch versucht haben, das Tor des danebenliegenden Friedhofs aufzuschießen.

WER SIND DIE OPFER?

Nach dem Anschlag sind die erschossenen Opfer identifiziert. Es handelt sich um eine 40 Jahre alte Frau aus Halle sowie einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen erfuhr. Die Frau war am Mittwochmittag von dem schwer bewaffneten Täter vor der Synagoge erschossen worden, der Mann wenig später in einem nahen Dönerladen. Bei dem Mann soll es sich um einen Mitglied der aktiven Fanszene des Drittligisten Hallescher FC handeln. Der Verein verfasste eine Meldung auf seiner Website.

Auf seiner Flucht hatte der mutmaßliche Rechtsextremist auch zwei Menschen verletzt. Bei ihnen soll es sich nach dpa-Informationen um ein Ehepaar handeln, das im 15 Kilometer entfernten Landsberg ein Geschäft betreibt. Die 40 Jahre alte Frau und der 41 Jahre alte Mann werden mit Schussverletzungen im Krankenhaus behandelt.

Im Wiedersdorf, einem Ortsteil von Landsberg, soll der Täter seinen ersten Fluchtwagen abgestellt und ein Taxi gekapert haben, wie dpa aus Sicherheitskreisen weiter erfuhr. Dabei seien weitere Schüsse gefallen. Demnach konnte der mutmaßliche Täter wenig später bei einem Autounfall auf der Bundesstraße 91 auf Höhe des Örtchens Werschen von Spezialkräften festgenommen werden. Er war verletzt und wurde in ein Krankenhaus gebracht.

WAS IST BISHER ÜBER DEN MUTMASSLICHEN TÄTER BEKANNT?

Es handelt sich um den 27-jährigen Stephan B.. Das bestätigte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag. Berichten zufolge stammt er aus dem Raum Eisleben in Sachsen-Anhalt. Nach MDR-Informationen wurde am Mittwochabend eine Wohnung in Benndorf durchsucht, wo der 27-Jährige mit seiner Mutter leben soll.

Der Angreifer filmte seine Taten und übertrug sie live im Internet. In dem gut halbstündigen Film führt der Tatverdächtige immer wieder Selbstgespräche, teilweise auf Englisch, in denen er unter anderem den Holocaust leugnet und sich antisemitisch äußert. Das Video zeigt demnach auch, dass der Täter offenbar technische Probleme mit seinen Waffen hat. Bekleidet ist der Mann mit einer Art grünem Kampfanzug und Helm samt Helmkamera.

Nach Angaben des US-Analyseunternehmens SITE Intelligence Group tauchte im Internet auch ein mögliches "Manifest" des Angreifers auf. In dem PDF-Dokument würden Fotos von bei der Attacke verwendeten Waffen und Munition gezeigt. Als Ziel der Attacke werde in dem Dokument genannt, soviele "Anti-Weiße" wie möglich zu töten, vorzugsweise Juden.

WOHIN FLÜCHTETE DER TÄTER ANSCHLIESSEND?

Zunächst sprach die Polizei von mehreren Tätern und gab für Halle und den Saalekreis eine Warnmeldung heraus. Einwohner sollten in ihren Häusern bleiben oder Schutz suchen. Die Polizei fahndete mit Hochdruck. Der Tatverdächtige flüchtete offenbar mit einem grauen Wagen, der auch in einem Handyvideo zu sehen ist, aus Halle. In dem Video, dessen Authentizität nicht bestätigt ist, ist auch zu sehen, dass B. offensichtlich verletzt wurde.

Rund 15 Kilometer östlich von Halle soll er in Wiedersdorf im Saalekreis den Besitzer einer Autowerkstatt bedroht und in einem Taxi weitergefahren sein. Auf einer Bundesstraße bei Zeitz soll er dann mit einem Lastwagen zusammengestoßen sein. Dort wurde er von der Polizei gegen halb vier Uhr nachmittags festgenommen. Lange ist aber unklar, ob es noch weitere Täter gibt. Erst nach 18.00 Uhr gibt die Polizei Entwarnung. Medien berichten erstmals, dass es sich um einen Einzeltäter - Stephan B. - handeln soll.

Lesen Sie hier alle Entwicklungen zum Anschlag in Halle im Liveblog.

(zim/AFP)
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