Annegret Kramp-Karrenbauer: Angela Merkel wäre das nicht passiert

Wirbel um AKK-Scherz im Karneval : Merkel wäre das nicht passiert

Vergleiche von Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel hinken. Das zeigt sich auch im Karneval. Gerade da. Einen Fehler wie AKK mit ihrem missglückten Toiletten-Kalauer hätte sich Merkel niemals geleistet.

Im Karneval ist so gut wie alles erlaubt. Dafür gibt es ja die tollen Tage. Alles und jeder soll auf die Schippe genommen werden. Einmal im Jahr muss man mal Luft ablassen und denen da oben gehörig den Marsch blasen. Die Obrigkeit wird vorgeführt, keine Gnade für US-Präsident Donald Trump oder Kanzlerin Angela Merkel. Aber genau das ist ein wesentliches Merkmal: Man knöpft sich die Herrschenden und Mächtigen vor. Und nicht als Parteichefin eine kleine Minderheit. Noch dazu Menschen, die Jahre für ihre Anerkennung gekämpft haben und verspottet, verletzt und übersehen wurden.

Annegret Kramp-Karrenbauer will Bundeskanzlerin werden, die Vorstufe, den CDU-Vorsitz, hat sie in einem harten Wettbewerb schon erreicht. Sie ist nicht zart besaitet und selbst nicht zimperlich im Austeilen. Nur, jetzt steht sie unter Beobachtung der ganzen Republik. Die Bürger wollen genau wissen, wer sie vielleicht einmal regiert. Kein Wort in der Öffentlichkeit, das sich versenden würde, wenn es doch Potenzial zur Aufregung hat. Das muss die frühere saarländische Ministerpräsidentin offensichtlich noch verinnerlichen.

Wer Menschen zuhört, die sich weder als Mann oder Frau fühlen oder erst im Laufe der Zeit festgestellt haben, dass sie sich in einem falschen Körper fühlen, der mag eine Ahnung von dem damit einhergehenden Kummer, den psychischen Belastungen und dem langen, bitteren Weg zu sich selbst bekommen. Darüber macht man als Vorsitzende der letzten großen Volkspartei und mögliche nächste Kanzlerkandidatin keine Witze. Auch nicht im Karneval.

Kramp-Karrenbauer hat sich mit ihrem missglückten Toiletten-Kalauer beim „Stockacher Narrengericht“ keinen Gefallen getan. Schnell kommt in Erinnerung, dass die Katholikin auch die Ehe von Homosexuellen kritisch sieht. Ihr Gespür, ihre Fähigkeit zur Empathie wird hier vermisst. Es handelt sich um eine kleine Gruppe von Menschen in Deutschland, aber auch deren Freunde und Familien schauen genau hin, wie mit ihren Angehörigen umgegangen wird. Auch deswegen hatte Merkel die Ehe für alle vor der Bundestagswahl 2017 abgeräumt.

Doch auch der Tusch und der Jubel im Publikum in Stockach sind keine Glanzleistung. Eine Woche zuvor hatte sich eine Frau im Karneval darüber aufgeregt, dass über Kramp-Karrenbauers Doppelnamen gelästert wurde. Das machte Schlagzeilen. In Stockach hat nicht einmal jemand Buh gerufen. Eine CDU-Chefin sollte wissen, dass ihr Amt so groß ist, dass sie Stimmungen erzeugen kann – auch gegen Minderheiten. Das ist gefährlich. Bisher wurde Kramp-Karrenbauer gern mit Merkel verglichen. Nun kann man einmal umgekehrt sagen: Merkel wäre das nicht passiert.

(kd)
Mehr von RP ONLINE