„Anglizismus des Jahres“ ist das Gendersternchen

Nach „Refugees Welcome“ und „Fake News“ : Schreibweise für alle Geschlechter ist „Anglizismus des Jahres“

Der Begriff setzte sich gegen „Framing“ und „nice“ durch. Unter anderem die sprunghafte Verbreitung des Wortes im öffentlichen Sprachgebrauch habe die Jury zu der Wahl bewogen.

Der Begriff „Gendersternchen“ ist in Deutschland zum „Anglizismus des Jahres 2018“ gekürt worden. Unter anderem die sprunghafte Verbreitung des Wortes im öffentlichen Sprachgebrauch habe die Jury zu der Wahl bewogen, sagte der Sprachwissenschaftler und Juryvorsitzende, Anatol Stefanowitsch, am Dienstag in Berlin. Allein im Jahr 2018 habe die Häufigkeit des Begriffs - beflügelt durch hitzige Diskussionen um eine mögliche Aufnahme des „Gendersternchens“ in die amtliche Rechtschreibung - um mehr als das Zehnfache zugenommen, von unter 0,25 auf 2,5 Vorkommen pro zehn Millionen Wörter.

Auf den Plätzen zwei und drei landeten die Begriffe „Framing“ und „nice“. Das Wort „Framing“ bezeichnet die Darstellung eines Themas aus einer bestimmten Perspektive mittels sprachlicher Bilder, mit dem Ziel, bestimmte politische Positionen zu diesem Thema überzeugend zu vermitteln. Das Wort „nice“ ist ein ursprünglich eher jugendsprachliches Synonym für „gut“ oder „toll“, das sich seit einigen Jahren im Sprachgebrauch auch junger Erwachsener findet, hieß es.

Die insgesamt sechsköpfige Jury würdigte den Angaben zufolge mit der Wahl des „Gendersternchens“ ausdrücklich auch die Rolle des Wortstamms „Gender“ und des daraus abgeleiteten Verbs „gendern“, dessen Häufigkeit in den vergangenen Jahren ebenfalls stetig zugenommen habe. Der Wortstamm „Gender“ bezeichnet den Sprachexperten zufolge „eine Perspektive auf Geschlecht als kulturell hergestellter und damit veränderbarer Kategorie“. Es ergänze so das Wort „Geschlecht“, das eher eine biologische Perspektive einnehme.

Das Verb „gendern“ findet sich demnach seit der Jahrtausendwende im Sprachgebrauch. „Gegendert“ werden könnten Texte, aber auch Institutionen oder Gesellschaftsbereiche, hieß es.

Weiter erklärte die Jury, der Begriff „Gendersternchen“ sei im allgemeinen Sprachgebrauch von 2013 an zunächst in Form von „Gender Star“ aufgetaucht. Obwohl das Wort aus englischen Wortbestandteilen zusammengesetzt sei, handele es sich dabei um eine genuin deutsche Wortschöpfung - einen sogenannten „Scheinanglizismus“.

Der „Anglizismus des Jahres“ wird in Deutschland seit 2010 gekürt. Damit soll den Initiatoren zufolge ein „positiver Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes“ geleistet werden. Im vergangenen Jahr holte der Begriff „Influencer“ den Titel. Davor waren es die Wörter „leaken“ (2010), „Shitstorm“ (2011), „Crowdfunding“ (2012), die Nachsilbe „-gate“ (2013), „Blackfacing“ (2014) und „Refugees Welcome“ (2015), „Fake News“ (2016).

(lukra/epd)
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