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Angela Merkel und der Bundesparteitag: In der Merkel-CDU fehlt die CDU

Vor Bundesparteitag in Köln : In der Merkel-CDU fehlt die CDU

Im Bund dominiert die SPD die große Koalition, in den Ländern regieren inzwischen mehr Grüne als Christdemokraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist beliebt wie eh und je - doch ihre Partei muss den Tag eins nach Merkel fürchten. Der Volkspartei fehlt das Profil und kluge Köpfe. Stattdessen jammert sie über die AfD. Dazu ein Kommentar von Chefredakteur Michael Bröcker.

Angela Merkel denkt gerne vom Ende her. Sie sollte mal an das Ende ihrer Amtszeit denken. Denn dann würde die CDU - Stand jetzt - in ein tiefes schwarzes Loch fallen. Im Bund hat die CDU der SPD die Richtlinienkompetenz überlassen, in den Ländern, einst Machtzentrum der Partei, wirkt sie schlapp, gestrig und desillusioniert.

Die wichtigsten Landesverbände suchen verzweifelt Profil und Positionen (NRW, Baden-Württemberg) und in Thüringen drängte die CDU durch interne Grabenkämpfe und Führungschaos ihren Koalitionspartner aus dem Bündnis. Dass mit Rot-Rot-Grün nun endgültig eine real existierende Machtoption für die Merkel-Gegner im Raum steht, liegt auch an der CDU.

Während die SPD schon 1994 ihre Berührungsängste vor den Ex-Stasi-Funktionären in der Linken ablegte (Tolerierung in Sachsen-Anhalt), fordert die CDU-Führung wie ein beleidigtes Kind ein Gesprächsverbot mit der AfD. Sicher, aus der AfD kommen unerträgliche, mit Ressentiments spielende Äußerungen. Trotzdem spricht die Partei in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik Themen an, die auch kluge Konservative wie Friedrich Merz oder ein Roland Koch artikulieren könnten.

Die AfD zur "Igitt-Partei" zu erklären, ist der untaugliche Versuch, sich nicht mit deren Themen beschäftigen zu müssen. Derweil wendet sich die Wirtschaft von der Merkel-CDU ab. Der Bundesparteitag in Köln wäre ein guter Zeitpunkt für ein Richtungssignal der CDU-Vorsitzenden. Zu erwarten ist es nicht.

(brö)