Angela Merkel nennt Aufkündigung des Iran-Deals „Grund großer Sorge“

Katholikentag in Münster : Merkel nennt Aufkündigung des Iran-Deals „Grund großer Sorge“

Angela Merkel ist in ihrer Rede auf dem Katholikentag in Münster auf das derzeit wichtigste politische Thema eingegangen: Den Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran bezeichnete die Kanzlerin als „schweren Einschnitt“ für die internationale Zusammenarbeit.

Die einseitige Aufkündigung sei ein „Grund großer Sorge“, sagte sie am Freitag bei einer Podiumsdiskussion vor Tausenden Besuchern.

Inwieweit sich das Abkommen ohne die USA aufrechterhalten lasse, müsse nun mit dem Iran besprochen werden. „Das ist ein gravierendes Vorkommnis, aber kein Grund, die transatlantische Partnerschaft in Frage zu stellen“, erklärte sie.

Die transatlantische Zusammenarbeit liege nach wie vor im Interesse Deutschlands, aber man dürfe sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass „etwas Schwerwiegendes“ vorgefallen sei. Als Friedensmacht sei Europa alleine nicht stark genug und auf Verbündete angewiesen.

Sie betrachte mit Sorge, dass sich der Multilateralismus im Augenblick in einer „großen Krise“ befinde, wie nicht nur bei dem Atomabkommen mit dem Iran, sondern auch beispielsweise beim Klimaschutz deutlich werde. „Wenn jeder macht, worauf er Lust hat, ist das eine schlechte Nachricht für die Welt“, sagte die Kanzlerin.

„Multilateralismus muss gestärkt werden“

Im Multilateralismus aber stecken ihrer Ansicht nach die größten Chancen für Win-Win-Situationen. Deshalb müsse der Multilateralismus gestärkt werden, forderte Merkel. „Das ist die Aufgabe, die drängender denn je vor uns steht.“

Die Geschichte zeige, dass die Suche nach Frieden Menschen umtreibe, aber dass eben auch immer wieder Rückschläge zu verzeichnen seien. Der Westfälische Frieden sei ein Beispiel dafür, dass der Frieden bisweilen große Mühe erfordere. Er war 1648 nach langen Verhandlungen in Osnabrück und Münster geschlossen worden.

Der 101. Katholikentag in Münster steht unter dem Leitwort „Suche Frieden“. Veranstalter ist das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Mehr als 50.000 Menschen haben nach Angaben der Veranstalter Dauerkarten, hinzu kommen Tausende Tagesteilnehmer. Insgesamt finden mehr als 1.000 Veranstaltungen statt, darunter Podiumsdiskussionen, Lesungen und kulturelle Angebote. Der Katholikentag dauert bis Sonntag.

(csr/epd)
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