Angela Merkel mit 96,7 Prozent als CDU-Vorsitzende gewählt

CDU-Parteitag bestätigt auch Vize-Chefs : Delegierte bestätigen Merkel mit 96,7 Prozent als Vorsitzende

Angela Merkel ist zum achten Mal in Folge zur CDU-Vorsitzenden gewählt worden - mit einem leicht schwächeren Ergebnis als 2012. Die Kanzlerin erhielt auf einem Bundesparteitag am Dienstag in Köln 96,7 Prozent der Stimmen.

Es ist ihr bisher zweitbestes Ergebnis. Vor zwei Jahren hatte sie 97,9 Prozent bekommen. Ihr schlechtestes Ergebnis bekam sie 2004 mit 88,4 Prozent. Für Merkel stimmten 884 von 919 Delegierten. 30 votierten mit Nein, 5 enthielten sich. Die CDU wertet die Enthaltungen als ungültig. Damit können sich die Resultate verbessern. Würden die Enthaltungen mitgezählt, hätte die Zustimmung für Merkel bei 96,2 Prozent gelegen.

Bei der Bundestagswahl 2013 kam die Union unter Merkels Führung auf 41,5 Prozent. Die Physikerin aus der DDR regiert Deutschland nun seit neun Jahren. Spekulationen in CDU und Medien, sie werde während dieser Legislaturperiode ihr Amt niederlegen, weist Merkel zurück.
Sie sei für die ganze Wahlperiode angetreten, betont die 60-Jährige.

Am Nachmittag stehen in Köln weitere Vorstandswahlen an: Im Präsidium bewerben sich auf sieben Plätze acht Kandidaten. Auch für 26 Plätze im Bundesvorstand gibt es 29 Bewerber.

Stellvertreter bestätigt

Der CDU-Parteitag hat auch die fünf Stellvertreter von Merkel im Amt bestätigt. Das beste Ergebnis erzielte bei der Abstimmung am Dienstag in Köln die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner. Sie erhielt 96,45 Prozent der Stimmen und konnte ihr gutes Ergebnis vom vergangenen Wahlparteitag in Hannover 2012 noch einmal verbessern. Mit 70,46 Prozent erhielt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die geringste Zustimmung unter den Vizes. Gegenüber ihrer letzten Wahl verbesserte sie sich aber leicht.

Die Stellvertreter im Einzelnen:

VOLKER BOUFFIER (62): Der Ministerpräsident führt den wichtigen, eher konservativ geprägten CDU-Landesverband Hessen - als politischer Erbe des langjährigen Frontmannes Roland Koch. Von 1999 bis 2010 war der Jurist Bouffier Landesinnenminister. Vor einem Jahr bildete ausgerechnet er die erste schwarz-grüne Koalition in einem Flächenland. Und sie funktioniert ohne große Aufregung. Hessen gilt als schwarz-grüner Testlauf für den Bund. Bei der Wiederwahl zum Bundesvize bekam er in Köln das zweitbeste Ergebnis.

JULIA KLÖCKNER (41): Die Landes- und Fraktionschefin in Rheinland- Pfalz schaffte es, den zerstrittenen CDU-Verband zu befrieden. Ende November wurde sie mit riesiger Mehrheit als Landesvorsitzende wiedergewählt. Die frühere Weinkönigin und Religionslehrerin kam 2002 in den Bundestag, 2009 wurde sie Parlamentarische Staatssekretärin im Agrarministerium. 2010 wechselte sie nach Mainz. Bei der Landtagswahl 2016 dürfte es mit Klöckner und SPD-Regierungschefin Malu Dreyer zum ersten Frauen-Duell um das Ministerpräsidentenamt kommen. Wie vor zwei Jahren erhielt sie in Köln das beste Ergebnis als Bundes-Vize. Sie gilt als eines der großen Nachwuchstalente der CDU.

ARMIN LASCHET (53): Er ist Chef des größten CDU-Landesverbandes. Ohne die NRW-CDU, die auf Parteitagen ein Drittel der Delegierten stellt, läuft nichts. Nach dem Wahldesaster für die CDU in Nordrhein- Westfalen 2012 und dem Rücktritt ihres damaligen Landesvorsitzenden Norbert Röttgen setzte Fußballfan Laschet auf Ausdauer und Teamspiel.
Der Rheinländer und frühere Bundestags- und Europaabgeordnete gilt als Modernisierer. Laschet schnitt in Köln besser ab als 2012.

THOMAS STROBL (54): Der Vorsitzende der CDU in Baden-Württemberg musste kurz vor dem Parteitag einen herben Rückschlag einstecken. Er unterlag in einem Mitgliederentscheid dem Parlamentspräsidenten Guido Wolf in der Frage, wer von beiden als Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2016 antreten soll. Strobl hatte den Vorsitz der Südwest-CDU nach dem Wahldesaster 2011 - als sie die Staatskanzlei an die Grünen verlor - übernommen. Der gebürtige Heilbronner ist auch Bundestagsfraktionsvize und einer ihrer Sicherheitsexperten. Auch er konnte sein Ergebnis gegenüber 2012 verbessern.

URSULA VON DER LEYEN (56): Die Tochter des früheren niedersächsischen Regierungschefs Ernst Albrecht ist seit 2013 Verteidigungsministerin - als erste Frau in Deutschland. So zierlich sie ist, so zäh und kämpferisch macht sie Politik. Die promovierte Ärztin wurde 2003 Sozialministerin in Niedersachsen, 2005 Bundesfamilienministerin und 2009 Arbeitsministerin. Von der Leyen gefällt es, wenn man sie als mögliche Merkel-Nachfolgerin handelt. Doch in der Bundestagsfraktion ist sie nicht sehr beliebt. Von den fünf Bundes-Vizes bekam sie in Köln das schlechteste Ergebnis.

(REU)