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Angela Merkel attackiert SPD am Mauerfall-Jubiläum

Berlin : Merkel attackiert SPD am Mauerfall-Jubiläum

25 Jahre nach der Überwindung der deutschen Teilung spaltet der Umgang mit der SED-Nachfolgepartei auch jetzt noch die große Koalition. Eine Million Menschen feiern in Berlin dennoch einen beeindruckenden Gedenktag zum Mauerfall.

Rund eine Million Menschen haben in Berlin den Fall der Mauer vor 25 Jahren gefeiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete die Grenzöffnung als Botschaft an die Menschen in der Ukraine, in Syrien und im Irak und die übrigen Völker der Welt: "Wir können die Dinge zum Guten wenden", betonte Merkel. Träume könnten wahr werden, nichts müsse so bleiben, wie es sei. Zuvor hatte sie der Opfer der Mauer gedacht und daran erinnert, dass das Unrecht nicht ungeschehen gemacht werden könne. Die aktuelle Debatte der Linken über den Charakter des DDR-Regimes griff sie mit der Feststellung auf: "Was sollte es anderes sein als ein Unrechtsstaat."

Zugleich nahmen die Spannungen in der großen Koalition wegen der bevorstehenden Regierungsbildung in Thüringen auch am Gedenkwochenende zum Mauerfall an Schärfe zu. Bei einem Landesparteitag der CDU in Mecklenburg-Vorpommern kritisierte Merkel das SPD-Vorgehen, als Juniorpartner einer rot-rot-grünen Koalition in Thüringen einen Linken zum Regierungschef wählen zu wollen. Das könne nicht als isolierte Entscheidung angesehen werden, die man in Thüringen mal mache und in Mecklenburg dann nicht. "Das ist eine Gesamtlinie der Partei", sagte Merkel. Damit riskiere der Koalitionspartner die völlige europa- und außenpolitische Blockade Deutschlands. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, nannte den Vorwurf "groben Unfug" und rief Merkel dazu auf, "solche billigen wie intellektuell unredlichen Attacken" zu unterlassen.

Schon beim Mauerfall-Gedenken im Bundestag hatte Merkel den Liedermacher Wolf Biermann nach dessen scharfer Attacke auf die Linke demonstrativ umarmt. Die Linke gab zum Mauerfall eine Erklärung ab, in der sie ihre "Entschuldigung für begangenes Unrecht" erneuerte und zugleich feststellte, es bleibe noch viel zu tun "im Sinne einer Verwirklichung von Demokratie, Freiheit und Sozialismus".

Bei der zentralen Feierstunde des Berliner Senates wurde der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow als einer der "Väter der Einheit" gefeiert. Vor dem Adlon, in dem der Friedensnobelpreisträger am Wochenende nächtigte, waren immer wieder "Gorbi, Gorbi"-Rufe zu hören. Gorbatschow antwortete indes mit Vorwürfen zur aktuellen Politik und warnte vor einem neuen Kalten Krieg. Der Westen habe seine Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten. Das werde er heute bei einem Gespräch mit Merkel als Fürsprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin auch thematisieren.

Wie vor 25 Jahren kamen an diesem Wochenende in Berlin Gänsehautgefühle auf. Hunderttausende Menschen flanierten die den Mauerverlauf auf 15 Kilometern markierenden 6860 beleuchteten Ballons entlang und schickten Selfies (Foto-Selbstporträts) in die ganze Welt. Bei einem Bürgerfest am Brandenburger Tor traten unter anderem die Fantastischen Vier, Clueso und Udo Lindenberg auf. Der Andrang war so groß, dass der Durchgang von Ost nach West wegen Überfüllung geschlossen werden musste.

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Viele erinnerten sich, wie sie vor 25 Jahren in Freudentränen ausbrachen. Auch an diesem Sonntag war "Wahnsinn" eines der meist gehörten Worte. Das galt für das eindrucksvolle Symbol, als zum Zeitpunkt der berühmten Schabowski-Pressekonferenz über die "unverzüglich" in Kraft tretende neue Reisefreiheit sich auch die Lichter-Mauer in Luft auflöste - und Tausende Ballons mit persönlichen Mauerfallnachrichten in den Himmel der Hauptstadt aufstiegen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 9.11.2014: Berlin gedenkt des Mauerfalls

(RP)