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Andreas Scheuer - der Neue im CSU-Haifischbecken

Vom "Praktikanten" zum Generalsekretär : Andreas Scheuer - der Neue im CSU-Haifischbecken

Offensichtlich ist Horst Seehofer nicht nachtragend. Genau ein Jahr, nachdem er Andreas Scheuer noch im Streit um den Donau-Ausbau wütend ein "Praktikum in der Politik" empfohlen hatte, macht er den 39-Jährigen nun zum CSU-Generalsekretär.

Dieser Posten verspricht beste Jobperspektiven für den Passauer. Allerdings muss sich Scheuer im gewachsenen Machtgefüge der CSU erst noch seinen Platz erkämpfen. Die kritische Frage "Ist es ein General oder nur ein Sekretär?" begleitet in der CSU jeden Inhaber des begehrten Amts. Scheuers Vorgänger bewiesen alle nach einer gewissen Einarbeitungszeit ihre Führungsqualität: Der nun zum Bundesverkehrsminister aufgestiegene Alexander Dobrindt zählt wie die bayerischen Landesminister Markus Söder und Christine Haderthauer deshalb zu der Gruppe, aus der 2018 Seehofers Nachfolge an der CSU-Spitze geklärt werden soll.

Und auch der einstige Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich wegen seiner Plagiatsaffäre aus der Politik zurückgezogen hat, begann einst als CSU-Generalsekretär. An diesen Vorgängern wird sich Scheuer messen lassen müssen. Seehofer sagte unverblümt, er erwarte von Scheuer den direkten Anschluss an das Niveau Dobrindts. Für den in Passau geborenen Niederbayern bedeutet dies vor allem, in den im nächsten Jahr anstehenden Wahlkämpfen zu den bayerischen Kommunalwahlen und zur Europawahl eine erfolgreiche Strategie zu erarbeiten.

In der CSU fragen sich manche, ob der bis heute im Passauer Stadtrat sitzende Scheuer das Zeuge dazu hat. Die vergangenen vier Jahre war Scheuer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und arbeitete dabei meist unauffällig im Schatten von Minister Peter Ramsauer. Seit seinem Ausscheiden aus Führungspositionen der Jungen Union im Jahr 2007 spielte er in den CSU-Gremien keine besondere Rolle, auch auf dem CSU-Parteitag im November blieb er unauffällig.

Scheuer ist gut vernetzt

Dafür ist Scheuer nach elf Jahren im Bundestag in der Landesgruppe gut vernetzt - dem in München regierenden Seehofer geht es vor allem darum, dass der neue Generalsekretär einen kurzen Draht zu den Parlamentariern und so direkten Einfluss in Berlin hat. Und wenn sich Scheuer äußert, dann gerne auch mit kräftigen Worten: Eine Eigenschaft, die ihm bei dem von Dobrindt wieder als Wadlbeißer-Job definierten Generalsekretärs-Posten helfen kann.

Für die in seinem neuen Job automatisch drohenden Anfeindungen könnte Scheuer zudem durch eine unschöne Episode in seiner Heimatstadt gewappnet sein. Dabei ging es um seinen Doktortitel, den er nach dem Ersten Staatsexamen zum Lehramt für Realschulen und einem anschließenden Politikstudium in Passau 2004 in Prag erwarb.

In einer regelrechten Kampagne warfen seine Kritiker Scheuer im Windschatten des Guttenberg-Skandals vor, er müsse einen einschränkenden Zusatz zu seinem Doktortitel führen. Doch letztendlich entlastete ihn ein Gutachten. Die Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen wieder ein, so dass der neue CSU-Generalsekretär mit dem "Dr." unterschreiben darf.

(AFP)