Altkanzler Gerhard Schröder kritisiert Andrea Nahles' Rentenpaket

Große Koalition : Altkanzler Schröder kritisiert Nahles' Rentenpaket

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) übt scharfe Kritik am Rentenpaket der großen Koalition. Die geplante Rente mit 63 für Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben, hält Schröder für einen Fehler. Das koste nicht nur einmal Milliarden, die Ausgaben kämen jedes Jahr wieder.

Das schreibt Schröder (69) in seinem neuen Buch, das Mitte Februar erscheinen soll und aus dem die "Bild"-Zeitung vorab zitiert. Demnach hält der SPD-Politiker die Rentenpläne seiner Parteikollegin und neuen Arbeitsministerin Andrea Nahles für ein "absolut falsches Signal". Dies gelte insbesondere "mit Blick auf unsere europäischen Partner, von denen wir ja zu Recht Strukturreformen einfordern".

Schröder sehe in den Reformen einen Rückschritt. Man stehe nach der Umsetzung "wieder vor Entscheidungen wie zu Zeiten der Agenda 2010". Zwar sei ihm klar, welchen gesellschaftlichen Gruppen die Bundesregierung mit den Koalitionsbeschlüssen helfen wolle. Dennoch stelle sich die Frage: "Wie soll das finanziert werden?".

Dem Zeitungsbericht zufolge hält der Altkanzler eine Erhöhung der Rentenbeiträge in einigen Jahren für nicht ausgeschlossen. "Dann wird es wieder neue, schmerzhafte Rentenreformen geben müssen, damit die Rentenbeiträge für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber bezahlbar bleiben. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche."

Dass von den Frauen in Deutschland kein Widerspruch gekommen sei, wundere ihn, führt Schröder fort. Schließlich sei das Ergebnis eindeutig: "Der männliche Facharbeiter, relativ gut verdienend, wird das nutzen können, Frauen eher weniger, weil die meistens gar nicht auf die 45 Beitragsjahre kommen."

Die Rente mit 67, die unter der Regierung Schröder vom damaligen Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) beschlossen worden war, hält Schröder "nach wie vor für vernünftig". Da es in Zukunft generell mehr Ältere in Arbeit geben werde und gleichermaßen einen Bedarf an qualifizierten Fachkräften mit Berufserfahrung, kämen die Deutschen auf längere Sicht um eine Diskussion über eine abermalige Verlängerung der Arbeitszeit nicht herum.

(das)