AfD blockiert sich selbst und beginnt mit Spaltung

Partei der Euroskeptiker : AfD blockiert sich selbst und beginnt mit Spaltung

Die AfD steuert auf ein finales Duell zwischen den wirtschaftsliberalen Kräften um Parteigründer Bernd Lucke und rechtsnationalen Kreisen um die Co-Vorsitzenden Frauke Petry und Konrad Adam zu.

Die Spaltung zieht sich quer durch die Landesverbände. Petry, die auch Landeschefin der AfD in Sachsen ist, wird von Brandenburg (Alexander Gauland) und NRW (Marcus Pretzell) unterstützt. Zu Luckes "Weckruf"-Unterzeichnern gehören die Chefs von Hamburg (Jörn Kruse), Rheinland-Pfalz (Uwe Zimmermann), Schleswig-Holstein (Bernd Kölmel) sowie viele ehemalige Vorstandsmitglieder, die gemeinsam gegen den innerparteilichen Rechtsdrall protestieren.

Die Vorsitzenden machten am Dienstag in getrennten Pressekonferenzen in Straßburg (Lucke) und Dresden (Petry) weiter öffentlich gegeneinander Front. Lucke rief seine Ko-Vorsitzende auf, sich seinem "Weckruf" anzuschließen und der Gefahr zu begegnen, durch einen falschen Zungenschlag viele Mitglieder zu verlieren. Lucke will eine Partei ohne "Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten". Petry dagegen warf Lucke Verunsicherung der Mitglieder vor. Beide wollen nun die Entscheidung beim Bundesparteitag Mitte Juni. Petry schloss nicht aus, gegen Lucke zu kandidieren.

SPD-Vize Ralf Stegner liest nicht erst aus der Entwicklung in den letzten Tagen heraus, dass die AfD "ein Sammelsurium von Nationalisten, antieuropäischen, rechtspopulistischen und reaktionären Wirrköpfen ist und bleibt". Damit könne es für eine demokratische Partei niemals eine Zusammenarbeit, sondern nur entschiedene Ablehnung geben. "Wer dabei die Führungsfiguren der AfD sind, spielt in diesem Zusammenhang keine wesentliche Rolle mehr", sagte Stegner unserer Redaktion.

Für CDU-Vorstandsmitglied Herbert Reul zeigen die "chaotischen Zustände in der AfD", dass Parteiarbeit nicht nur aus populistischen Parolen bestehen könne. Immer gehe es auch darum, Kompromisse zu machen. "Die AfD scheitert schon daran", meinte der Europapolitiker. Auch aus seiner Sicht sei es "egal", wer sich in dem Machtkampf durchsetze: "Betonköpfe auf der einen Seite, Betonköpfe auf der anderen Seite." Und zum Anspruch der AfD, eine Alternative für das bürgerliche Publikum zu sein, bemerkte Reul, dass er schon die Umgangsformen in dieser Partei "nicht als bürgerlich bezeichnen" könne.

(may-)
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