Abstimmung über Ehe für alle: So reagiert Deutschland auf die Entscheidung

Ehe für alle : Tag des Regenbogens

Die Ehe für alle ist beschlossene Sache: Das Netz freut sich überwiegend über die Abstimmung des Bundestags für die Öffnung der Ehe. Von der AfD und der katholischen Kirche kommt Kritik.

Auf Facebook und Twitter kann man sich vor dem Regenbogen kaum noch retten. Die Seiten sind voll von diesem Symbol der Lesben, Schwulen, Transsexuellen und Queeren. Auch Politiker, Prominente und Kirchenvertreter äußern sich positiv in den sozialen Netzwerken.

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, twittert: "Gut, dass es endlich soweit ist. Die Ehe für alle passt zu Deutschland, zu unserer offenen Gesellschaft."

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, bezeichnete das Ja des Bundestags zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle als historisch, wie auch viele andere. "Niemand verliert etwas durch die Ehe für alle, alle gewinnen", erklärte sie am Freitag. "Deshalb sollten wir die heutige Entscheidung auch nicht als eine Frage von parteipolitischen Triumphen oder Niederlagen begreifen."

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) wertete die Zustimmung als Sieg für "eine offene und freie Gesellschaft". "Ob man in Deutschland heiraten darf oder nicht, entscheidet zukünftig nicht mehr das Geschlecht, sondern Liebe, Zusammenhalt und das Versprechen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein."

"Wunderbares Angebot der Ehe"

Der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, befürwortete das Abstimmungsergebnis ebenfalls. Er wünsche sich ein neues Bewusstsein für das "wunderbare Angebot der Ehe".

Kritik kam hingegen von der katholischen Kirche. Heiner, Koch, Berliner Erzbischof und Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz, sagte: "Ich bedauere, dass der Gesetzgeber wesentliche Inhalte des Ehebegriffs aufgegeben hat, um ihn für gleichgeschlechtliche Partnerschaften passend zu machen."

Mit Jubel reagierte das lesbischen Paar Christine und Gundula Zilm aus Barth (Mecklenburg-Vorpommern). "Wir freuen uns riesig", sagte Gundula Zilm am Freitag. "Wir haben mit Kaffee und Tee angestoßen, wir trinken keinen Alkohol." Wenn die Pflegekinder am Nachmittag aus der Schule kämen, werde es wie versprochen Eisbecher geben. Das Paar stammt aus dem Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel hatte am Montagabend beim "Brigitte"-Talk erzählt, die Begegnung mit dem Paar habe sie ins Nachdenken über ihre Position zum Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare gebracht.

AfD nennt Urteil "grundfalsch"

Die AfD-Spitzen hingegen verurteilten die Entscheidung des Bundestags. AfD-Vize Alexander Gauland bezeichnete das Abstimmungsergebnis als "grundfalsch". Sie verkenne die Bedeutung der Familien, in denen Kinder erzogen würden. Frauke Petry warf der CDU und Angela Merkel vor, den Ehe-Begriff aus wahltaktischen Gründen preisgegeben zu haben.

Die Ehe für alle war am Freitagmorgen mit 393 Stimmen im Bundestag beschlossen worden. SPD, Linke und Grüne stimmten geschlossen dafür, ebenso wie 75 Abgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Bis zuletzt hatten Teile der Union sich gegen die Abstimmung und gegen die Ehe für alle ausgesprochen. Das Gesetz kann erst drei Monate nach Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundestag stimmt über Ehe für alle ab

(heif)
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