G8 einigen sich auf ehrgeizige Klimaziele: Abheben mit der lahme Ente

G8 einigen sich auf ehrgeizige Klimaziele : Abheben mit der lahme Ente

Düsseldorf (RPO). Die wichtigsten Industrienationen der Welt wollen beim Klimaschutz anpacken. Das Besondere: Auch die Amerikaner sind dabei. Offenkundig will der scheidende und zuhause als lahme Ente verspottete US-Präsident George W. Bush etwas Bleibendes für die Nachwelt hinterlassen.

Zum achten Mal ist US-Präsident George W. Bush bei einem G8-Gipfel dabei. Bisher hat er sich vorwiegend als Bremser profiliert. Ausgerechnet in seinem letzten Amtsjahr gilt Bush jedoch als Hoffnungsträger beim Gipfel der Mächtigen. Die Unterhändler der US-Administration fielen bereits bei der Vorbereitung des Gipfels durch emsiges Treiben auf. Sie bemühen sich, ihrem Chef einen Platz in den Geschichtsbüchern zu verschaffen.

Dabei herrschte noch lange gesunde Skepsis. Die amerikanische Tradition verlangt es, dass ein scheidender Präsident seinem Nachfolger keine faulen Eier ins Nest legt. Weitreichende, geschweige denn bindende Entscheidungen waren von George W. Bush in Japan nicht zu erwarten.

Andererseits geht es Bush um sein politisches Erbe. Eine Marke, mit der ihn die Welt in Erinnerung behalten soll. Dass er für viele mit dem Krieg gegen den Terror und dem Einmarsch im Irak bereits seinen Stempel weg hat, ficht ihn nicht an. Bush steuert nun mit Fortschrittsgeist beim Klimaschutz gegen das schlechte Image an.

Zusammen mit den anderen G8-Staaten verkündete er nun das ehrgeizige Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2050 halbieren zu wollen. Für die meisten Länder ein Schritt auf dem Weg zu einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll, für die USA ein weitreichendes Zugeständnis an die verbindliche Zusammenarbeit mit der Welt.

In der Gipfelerklärung wird das Reduzierungsziel als gemeinsame Vision bezeichnet, die man mit allen Beteiligten im UN-Prozess teilen wolle. Vor einem Jahr beim Gipfel in Heiligendamm kamen die 50 Prozent bis 2050 zwar auch schon vor. Die Formulierung war aber deutlich schwächer. Man wolle diese Zielsetzung "ernsthaft erwägen", hieß es damals. Schon um überhaupt eine Zahl in dem Text unterzubringen hatte die damalige G-8-Präsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, hart kämpfen müssen.

Die jetzige Erklärung von Toyako geht weit über das bisher Beschlossene hinaus. Die G8 legen sich jetzt darauf fest, dieses Ziel im UN-Rahmen nicht nur in Erwägung zu ziehen, sondern auch tatsächlich umzusetzen. Dieses als "Vision" bezeichnete Ziel solle im UN-Rahmen "geprüft und angenommen" werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der G-8, die von der japanischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde.

Bush hat damit eine Möglichkeit gefunden, sowohl ein Zeichen von weltweiter Beachtung zu setzen, ohne die USA — und damit seinen Nachfolger - unwiderruflich auf einen Handlungsplan festzulegen. Noch geht der G8-Beschluss nicht über eine gemeinsame Absichtserklärung hinaus. An ihr wird sich die kommende Regierung messen lassen müssen. Mehr nicht.

Die G-8-Staaten verpflichteten sich auch, mittelfristige nationale Ziele zu setzen und Aktionspläne zur Umsetzung zur entwickeln. Zudem bekannten sie sich zu ihrer Verantwortung, einer "starken Führungsrolle" bei dem Thema gerecht werden zu müssen. In der deutschen Delegation wurde die Klimaerklärung als Erfolg gewertet. Während die Verhandlungen in Heiligendamm noch sehr mühsam waren, kämen die gemeinsamen Anstrengungen nun in Schwung, hieß es.

Große Sorge über steigende Ölpreise

Die G-8 äußerten sich auch "sehr besorgt" über die steigenden Ölpreise. Die Entwicklung stelle ein "Risiko für die Weltwirtschaft" dar. Es seien gemeinsame Anstrengungen zur Bewältigung der Probleme notwendig.

Konkret sprachen sich die USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Kanada und Russland für eine Erhöhung der Produktion und der Raffineriekapazitäten aus. Es seien auch verstärkte Investitionen in Transport und Verarbeitung von Öl notwendig. Die Öl produzierenden Staaten sollten dafür stabile Bedingungen schaffen. Auf der Nachfrageseite sei es wichtig, erneuerbare Energien weiter zu fördern und die Energienutzung möglichst vielfältig zu gestalten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bushs Deutschland-Trips