8. Mai 1945: Bundestag gedenkt des Endes des Zweiten Weltkriegs

Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag : Der Bundestag gedenkt des Endes des Zweiten Weltkriegs

Die deutsche Politik erinnert mit einer Gedenkstunde im Bundestag am Freitag ab 9 Uhr an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa vor 70 Jahren.

Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nehmen an der Veranstaltung teil, die Gedenkrede hält der Historiker Heinrich August Winkler. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bundesratspräsident Volker Bouffier (beide CDU) werden sprechen.

Der 8. Mai gilt als einer der wichtigsten Gedenktage der deutschen Geschichte. Vor 30 Jahren, am 8. Mai 1985, hatte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Kriegsende als "Tag der Befreiung" von der Herrschaft des Nationalsozialismus bezeichnet.

Bundespräsident Gauck besucht nach der Gedenkstunde im Bundestag eine Kriegsgräberstätte. Im brandenburgischen Lebus erinnert er an das Schicksal sowjetischer Gefallener. Merkel legt am Sonntag in Moskau am Grabmal des Unbekannten Soldaten gemeinsam mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Kranz nieder. An der großen Militärparade in Moskau zum Sieg über Hitler-Deutschland am Samstag nimmt wegen des Ukrainekonflikts kein deutsches Regierungsmitglied teil.

Das Kanzleramt verteidigte das Fernbleiben der Kanzlerin von den Feierlichkeiten in Russland zum Tag des Sieges. "Es wäre falsch, am 9. Mai bei dieser Parade, bei dieser Zurschaustellung dabei zu sein, weil die russische Armee eben nicht nur zur Verteidigung des Landes eingesetzt wird, sondern weil Russland einen Anspruch formuliert, der über seine eigenen Grenzen hinausgeht und das Selbstbestimmungsrecht anderer Länder in der Region einschränkt", sagte Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "maybrit illner".

Heinrich August Winkler

Der 76-Jährige ist seit Jahrzehnten einer der renommiertesten Historiker in Deutschland. Bis 2007 lehrte er an der Humboldt-Universität in Berlin. Sein Standardwerk "Der lange Weg nach Westen" analysiert die deutsche Geschichte zwischen 1806 und 1990. Zuletzt erschien "Die Zeit der Gegenwart" über die Entwicklung nach dem Ende des Kalten Krieges.

Nicht zufällig heißt eines der weiteren Bücher Winklers "Streitfragen der deutschen Geschichte". Ein streitbarer Geist ist der in Königsberg geborene Historiker allemal. Ende der 80er Jahre trat er im Historikerstreit den Thesen Ernst Noltes entgegen und warnte davor, die NS-Verbrechen durch Vergleiche mit dem Terror der Sowjets relativieren zu wollen.

Seit mehr als 50 Jahren Mitglied der SPD, schreckt Winkler aber auch vor Kritik an Sozialdemokraten nicht zurück, etwa an deren Politik gegenüber den kommunistischen Regime in Osteuropa vor dem Mauerfall. Und dann Russland: "Außerordentlich bedenklich" nannte Winkler im "Spiegel" Versuche, die russische Annektion der Krim zu verharmlosen und alte deutsch-russische Gemeinsamkeiten wiederzubeleben.

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(dpa)