Erfolg oder nicht? Am 49 Euro-Ticket scheiden sich weiter die Geister

Exklusiv | Berlin · Drei Monate gibt es das Deutschlandticket jetzt. Ist es ein Erfolg? Ja und nein. Laut Städtetag fehlt immer noch die Anschlussfinanzierung. Was nicht eingetreten ist, ist eine Zunahme an Kriminalität durch mehr Passagiere, so die Polizeigewerkschaft.

Drei Monate gibt es jetzt das Deutschlandticket für 49 Euro. Nicht jeder sieht in dem Fahrschein einen Erfolg.

Drei Monate gibt es jetzt das Deutschlandticket für 49 Euro. Nicht jeder sieht in dem Fahrschein einen Erfolg.

Foto: dpa/Boris Roessler

Drei Monate gibt es jetzt das Deutschlandticket für 49 Euro. Für Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) ist der Fahrschein bereits ein voller Erfolg. Seit dem 1. Mai seien ungefähr eine Million neue Kunden dazugekommen, so der Minister am Wochenende. Andere sehen das Ticket weitaus skeptischer.

„Eine Million Neukunden und drei Milliarden Euro Mehrkosten allein in 2023 macht pro Neukunde 3000 Euro Aufwand“, so der Verkehrsexperte der Union, Thomas Bareiß (CDU). „Die steigenden ÖPNV-Nutzer wurden mit dem 49-Euro-Ticket sehr teuer erkauft.“ Vollkommen offen sei zudem, wie es mit dem Deutschlandticket weitergehe. „Schon laufen die ersten Wetten, wann die ersten Preiserhöhungen kommen werden und das 49-Euro-Ticket Geschichte sein wird“, sagte der CDU-Politiker unserer Redaktion.

Auch habe sich das Angebot an öffentlichem Bus- und Bahnverkehr in ländlichen Regionen bereits verschlechtert. „Das 49-Euro-Ticket kommt vor allem den Großstädtern zugute“, ergänzte Bareiß. Seitens der Bahn hieß es hingegen, die Zahl der Fahrgäste sei im Juni verglichen mit April um 25 Prozent gestiegen. Und sie hätten auch deutlich längere Strecken im öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt.

Der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, befand indes: „Das 49-Euro-Ticket ist bisher kein wirklich großer Erfolg. Es ist eine schöne Werbemaßnahme für bisherige Stammkunden.“ Ein großer Teil der Neukunden seien vor allem die, die das System ohnehin zwischendurch genutzt hätten. „Etwa mit Tageskarten und Einzelfahrscheinen“, so Naumann zu unserer Redaktion. „Dass man wirklich Menschen in großen Mengen von der Straße in den öffentlichen Personennahverkehr gelockt hat, ist nicht passiert.“ Gleichwohl sei das 49-Euro-Ticket für viele Menschen eine deutliche Verbesserung, „weil die Nutzung des ÖPNV billiger und einfacher geworden ist“. Das Hauptproblem bleibe jedoch, betonte Naumann. „Es wird viel Geld in eine Tarifsubvention gesteckt statt in den Ausbau.“

Die Frage der weiteren Finanzierung treibt auch den Deutschen Städtetag um. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy erklärte auf Nachfrage, es sei erfreulich, dass immer mehr Menschen den ÖPNV nutzen. „Das ist ein guter Auftakt für das Deutschlandticket.“ Dedy ergänzte: „Bisher ist das Deutschlandticket nur für dieses Jahr finanziell abgesichert. Bund und Länder müssen sich dazu bekennen, die Mehrkosten für das Ticket, die über drei Milliarden Euro hinausgehen, auch weiterhin zu übernehmen.“ Darüber hinaus müssten die notwendigen Investitionen für digitale Vernetzung, enge Taktung, bessere Verbindungen und mehr Fahrzeuge sichergestellt werden. „Nur so kann der ÖPNV attraktiver werden, sonst steigen die neu gewonnenen Fahrgäste bald wieder aus.“

Was sich offenbar nicht bewahrheitet hat, ist die Befürchtung, dass mehr Fahrgäste auch zu mehr Kriminalität in Bussen und Bahnen führen wird. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, sagte unserer Redaktion: „Die Kriminalitätsrate und die Dinge, für die die Polizei und DB-Sicherheit gerufen werden müssen, sind nicht stark gestiegen. Wir sind mit der Lage eigentlich sehr zufrieden“, so Roßkopf. Man dürfe nicht vergessen, dass Deutschlandticket sei ein Ticket, dass vor allem von Berufspendlern und älteren Menschen genutzt werde.

(has)
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