Bei vollem Lohnausgleich So sieht das 4-Tage-Woche-Konzept der Linken aus

Berlin · In den vergangenen Wochen hat die Debatte über eine 4-Tage-Woche Fahrt aufgenommen. Aus Sicht der Linken sollte der öffentliche Dienst bei der Umsetzung eine Vorreiterrolle einnehmen.

 Martin Schirdewan, Bundesvorsitzender der Partei Die Linke (Archivbild).

Martin Schirdewan, Bundesvorsitzender der Partei Die Linke (Archivbild).

Foto: dpa/Hannes P Albert

„Die Regierung muss eingreifen und die Arbeitszeit zügig mit vollem Lohnausgleich reduzieren. Denkbar ist eine schrittweise Reduzierung auf 32 Stunden pro Woche“, heißt es in einem Konzept, das Linke-Bundesgeschäftsführer Ates Gürpinar am Montag vorstellte. „Die Regierung schafft so einen Standard auf dem Arbeitsmarkt, an dem sich auch die private Konkurrenz orientieren muss, wenn sie neue Fachkräfte gewinnen will.“

Die Linke fordert außerdem ein Wahlarbeitsgesetz. „Beschäftigte erhalten demnach einen individuellen Rechtsanspruch auf Änderung ihrer Arbeitszeit.“ Die Tarifparteien sollen Optionen für die Ausgestaltung in den jeweiligen Betrieben erarbeiten. Das Gesetz solle für Betriebe aller Größen und Branchen gelten. Die Besonderheiten kleiner Betriebe und bestimmter Tätigkeiten könnten in betrieblich angepassten Arbeitszeitkonzepten berücksichtigt werden.

Betriebe mit wenig Umsatz und Gewinn sollen nach den Vorstellungen der Linken Hilfe vom Staat bei der Umstellung auf die Vier-Tage-Woche bekommen. „Für sie kann der Übergang zum Vier-Tage-Modell mithilfe von zeitlich begrenzten Lohnzuschüssen erleichtert werden“, heißt es in dem Konzept. Die Linke mahnt zudem eine sogenannte Anti-Stress-Verordnung an. Diese soll analog zu anderen Gefahrenverordnungen im Arbeitsschutz die Pflichten der Unternehmen konkretisieren. Dies würde auch Gewerkschaften und Betriebsräten die Durchsetzung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen erleichtern.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hält die Reduzierung der Arbeitszeit von heute oft 38 oder 39 auf 32 Stunden für unrealistisch und fordert stattdessen eine 35-Stunden-Woche in allen Branchen vom Lokführer bis zur Pflegekraft, wie der BSW-Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich sagte. „Das macht Arbeit attraktiver und kann Arbeitslosen eine Perspektive geben.“

(felt/dpa)
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