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114.000 Mal Gewalt gegen Frauen

Neue BKA-Statistik : Jede Stunde Gewalt gegen Frauen

Mehr als 114.000 Frauen wurden 2018 in Deutschland Opfer von Verletzungen, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Männer, Partner oder Ex-Partner. Die Regierung will ihre Hilfe ausbauen. Ein Projekt richtet sich speziell an Migranten.

Im vorigen Jahr wurden 114.393 Frauen Opfer von Verletzungen, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner. 2018 waren es 113.965 Frauen. 122 wurden getötet – 2017 waren es 147.  Erfasst wurden Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Übergriffe, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Da aber nur die Fälle aufgelistet sind, die angezeigt werden, gilt die Dunkelziffer als sehr viel höher. Das Familienministerium weist auf sogenannte Dunkelfeldstudien hin, wonach jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebe. Es werden aber auch Männer von ihren Frauen misshandelt. 2018 waren es laut Statistik rund 26.000. Männern wird allerdings eher zugetraut, dass sie die Taten anzeigen.

Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch warf Giffey „Heuchelei“ vor und sprach von „importierter Migrantengewalt gegen Frauen“. Laut Bundeskriminalamt sind die Opfer zu 70 Prozent Deutsche. Gemessen an ihrem Anteil von zwölf Prozent an der Gesamtbevölkerung in Deutschland ist der Anteil der Ausländer unter den Betroffenen von häuslicher Gewalt mit rund 30 Prozent aber vergleichsweise hoch. Die Staatsministerin für Integration und Vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz (CDU), kündigte eine Ausweitung von Schutz und Hilfe an und forderte eine stärkere Einbindung von Männern in die Prävention. Betroffene Frauen müssten über Hilfsangebote besser informiert und Lücken in den Hilfestrukturen geschlossen werden, sagte sie unserer Redaktion. Sie unterstütze Gewaltschutzprojekte, in denen gezielt auch männliche Mediatoren für Gewaltprävention ausgebildet würden. Ein bundesweites Projekt richte sich gezielt an Migrantinnen und Migranten. Aufklärung über Frauenrechte und Gleichberechtigung sei nötig, insbesondere auch für Menschen aus Ländern, in denen Frauen unterdrückt würden.

Unter den nichtdeutschen weiblichen Opfern sind vor allem Türkinnen, Polinnen und Syrerinnen betroffen. Unter den nichtdeutschen Männern sind es vor allem Türken, Polen und Italiener. Bund, Länder und Kommunen wollen die Hilfsangebote für Frauen ausbauen. Allein der Bund plant 120 Millionen Euro für den Aus-, Um- und Neubau von Frauenhäusern und Beratungsstellen ein. Das Komitee UN Women Deutschland prangerte an, dass viele Frauenhäuser in Deutschland überfüllt seien. Es gibt hierzulande etwa 350 Frauenhäuser als Zufluchtsstätte für bedrohte Frauen.

Giffey startete die Initiative „Stärker als Gewalt“ (staerker-als-gewalt.de). Es geht vor allem darum, diese Hilfsangebote bekannter zu machen und Gewaltopfer zu ermutigen, sich Unterstützung zu holen. Frankreichs Regierung kündigte an, die ärztliche Schweigepflicht zu lockern, damit Ärzte in Notfällen ihre Patientinnen besser schützen können. (mit dpa)

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes stand, von den 114.000 weiblichen Opfern seien 13 Prozent Türkinnen, elf Prozent Polinnen und sieben Prozent Syrerinnen, von den 26.000 Männern 17 Prozent Türken, neun Prozent Polen und sechs Prozent Italiener. Wegen Unklarheiten in der Statistik bzw. in der Auslegung durch das BKA haben wir uns entschlossen, auf die Prozentwerte zu verzichten.

(kd)