100 Jahre Frauenwahlrecht: Wolfgang Schäuble fordert von Männern mehr Engagement im Haushalt

100 Jahre Frauenwahlrecht : Bundestagspräsident Schäuble fordert von Männern mehr Engagement im Haushalt

In einer Feierstunde zum hundertsten Jahrestag des Frauenwahlrechts haben ehemalige Frauenministerinnen vor Rückschritten in der Gesellschaft gewarnt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble plädierte für eine gerechtere Aufteilung zwischen Mann und Frau bei alltäglichen Pflichten.

Es werde wieder salonfähig, Frauenrechte und Chancengleichheit infrage zu stellen, sagte die frühere SPD-Ministerin Christine Bergmann. „Wir müssen aufpassen, dass der Zug nicht rückwärts fährt.“ Auch die frühere Bundestagspräsidentin und CDU-Ministerin Rita Süssmuth sagte: „Einmal Geschaffenes ist nicht von selbst schon etwas auf Dauer.“ Der nächste Schritt zu mehr aktiver Beteiligung der Frauen sei eine Demokratiefrage. Bergmann sprach sich für ein Paritätsgesetz für Listenaufstellungen und Direktmandate aus.

Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung nutzten weit über 80 Prozent ihr neues Recht, 37 Frauen wurden ins Parlament gewählt und stellten damit fast neun Prozent der Abgeordneten.

„Auch wenn Frauen längst in politischen Spitzenpositionen zu Hause sind: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, mahnte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble am Donnerstag. Unverzichtbare Tätigkeiten wie Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege müssten besser aufgeteilt werden - „eine weithin akzeptierte Erkenntnis, an deren Umsetzung Männer gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden müssen“, sagte Schäuble.

Erst wenn Frauen und Männer wirklich frei entscheiden könnten, wo sie die Prioritäten in ihrem Leben setzen wollten, sei das Ziel erreicht. Mit Blick auf „die starken, selbstbewussten Frauen, die wir in diesem Land haben“, habe er hier allerdings keine Bedenken.

(mro/dpa)
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