Berlin: Deutsche sollen weniger sparen

Berlin : Deutsche sollen weniger sparen

IWF-Chefin sieht Deutschland in der Rolle der Konjunkturlokomotive

Nach Einschätzung von Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zeichnet sich ein Wendepunkt in der Euro-Krise ab: "Unsere Prognosen sagen, dass die Wirtschaft der Euro-Zone sich im kommenden Jahr besser entwickelt als sie es im vergangenen tat", sagte die Französin der "Zeit".

Die IWF-Chefin warnte vor zu ambitionierten Sparmaßnahmen in Deutschland. Die Europäer müssten ihre Hausaufgaben erledigen, sagte sie. Deutschland werde nun vor allem als Konjunkturlokomotive in der Krise gebraucht. Die Bundesregierung könne es "sich leisten, bei der Konsolidierung etwas langsamer vorzugehen als andere", sagte Lagarde. Das wirke den wachstumsdämpfenden Effekten entgegen, die von den Kürzungen in den Krisenländern ausgingen.

Ein "Spiegel"-Bericht über angebliche Sparpläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte über Weihnachten für Aufregung gesorgt. Obwohl ein Ministeriumssprecher die Darstellung als falsch zurückwies, verlangte die Opposition umgehend Klarheit. Dem Magazin zufolge wird im Finanzministerium an einem Sparpaket für die nächste Legislaturperiode gearbeitet, das unter anderem die Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes vorsehe. Schäuble lasse die Vorschläge ausarbeiten, da nach seiner Einschätzung die Schuldenbremse nicht ausreiche, um den Bundeshaushalt auf künftige Belastungen vorzubereiten.

Bei der Umfrage des arbeitgebernahen Institut des deutschen Wirtschaft (IW) gab jeder zweite befragte Wirtschaftsverband an, die Stimmung in seinen Mitgliedsunternehmen sei schlechter als zum Jahreswechsel 2011/2012. IW-Chef Michael Hüther sprach von einer beachtlichen Differenz zwischen Stimmung und Lage: Nur elf von 46 Verbänden erwarteten schlechtere Geschäfte, jedoch 20 eine leichte Verbesserung.

Wirtschaft Seite

(RP)
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