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Dresdner soll Schuld an geplatzter Fusion sein: Deutsche Bank plant keine feindliche Übernahme

Dresdner soll Schuld an geplatzter Fusion sein : Deutsche Bank plant keine feindliche Übernahme

Frankfurt/Main (AP). Nach der gescheiterten Megafusion mit der Dresdner Bank sucht die Deutsche Bank nach den Worten ihres Vorstandschefs Rolf Breuer nicht nach einem anderen Partner. Angesichts des hervorragenden Jahres 1999 und des sehr guten ersten Quartals sei die Deutsche Bank auch allein stark genug, sagte er am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Breuer betonte, für einen Rücktritt sehe er keinen Anlass, und schloss auch eine feindliche Übernahme der Dresdner Bank aus. Dies könne im Bankgeschäft nicht klappen, führte er zur Begründung an. Die ohnehin schon gebeutelten Mitarbeiter würden revoltieren.

Einen bleibenden Schaden für das Image der Deutschen Bank nach der am Mittwoch gescheiterten Fusion, sah Breuer nicht. Natürlich sei es kein sehr glücklicher Vorgang, eine angekündigte Fusion absagen zu müssen. "Aber lieber ein Ende mit Schrecken als immer weiter so". "Final kriegsentscheidend" seien die Differenzen um die Dresdner Investment-Tochter Kleinwort Benson gewesen. Daher hätte auch die Deutsche Bank die Gespräche von sich aus abgebrochen.

Die Dresdner Bank hatte ihrem ehemaligen Fusionspartner vorgeworfen, entgegen der Absprache gefordert zu haben, Kleinwort Benson ganz oder in Teilen zu verkaufen. Breuer sagte, er stehe zu seiner Einschätzung, dass Kleinwort Benson ein "Juwel" sei. Da die Deutsche Bank bereits ein weltweites Investmentgeschäft habe und Kleinwort Benson nur in Europa stark sei, hätte ein Integration keinen Sinn gemacht. Mehr als die Nummer eins könne man nicht werden. Der Streit sei bei der Ankündigung der Fusion jedoch nicht absehbar gewesen. Die Detailarbeit habe naturgemäß erst nach der Bekanntgabe der Pläne beginnen können. "Vorher darf man dem Konkurrenten nicht in die Tasche sehen", sagte der Vorstandschef.

Bei einem Zusammenschluss wären rund 16.000 Stellen gestrichen und 800 Filialen geschlossen worden. Jetzt müsse die Deutsche Bank ihre Filialen und Zweigstellen so organisieren, wie es für den Kunden und die Aktionäre sinnvoll sei, sagte Breuer. Die Diskussion um Kunden erster und zweiter Klasse bezeichnete Breuer als Desaster. Trotz der höchst unglücklichen Kommunikationsturbulenzen seien der Deutschen Bank 24, in der das Geschäft mit den wenig lukrativen Privatkunden zusammengefasst ist, keine Kunden weggelaufen. Im ersten Quartal habe die Deutsche Bank 24 schöne schwarze Zahlen geschrieben. Im Gesamtjahr solle sie einen Ertrag von rund 500 Millionen Mark erwirtschaften.

Nach Angaben Breuers erwirtschaftete die Deutsche Bank im ersten Quartal ein Vorsteuerergebnis, das um über 50 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Dabei hätten sich alle Unternehmensbereiche erfreulich entwickelt. Zwar könne das gute Ergebnis nicht für das Gesamtjahr hochgerechnet werden, man rechne aber mit einer erneuten Steigerung. Die transatlantische Fusion mit Bankers Trust hatte der Deutschen Bank im vergangenen Jahr das beste Ergebnis ihrer Geschichte beschert. Der Jahresüberschuss stieg 1999 um knapp 50 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro (5,07 Milliarden Mark). Der Gewinn vor Steuern und Restrukturierungsaufwand legte um 23 Prozent auf fünf Milliarden Euro zu.

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Der Provisionsüberschuss kletterte den Angaben zufolge um über 50 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Das Handelsergebnis verbesserte sich sogar um 170 Prozent auf rund 4,8 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme des Konzerns legte zum 31.12.1999 auf rund 839,9 Milliarden Euro zu.

(RPO Archiv)