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Kolumne Frauensache: Der Chauvinismus des Donald Trump

Kolumne Frauensache : Der Chauvinismus des Donald Trump

Das weiße männliche Establishment gerät ins Hintertreffen. Das ist der Grund, warum Barack Obama 2012 die Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und zugleich der Grund, warum nun Donald Trump bei den Republikanern in den Umfragen vorne liegt.

Wer der künftige Präsident der USA werden wird, das entscheiden vor allem Frauen und Migranten. Frauen machen mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten aus, die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in den USA sind die Hispanics während erstmals in der Geschichte des Landes weniger Babys mit weißer Hautfarbe geboren werden als solche von ethnischen Minderheiten. Das alte weiße männliche Establishment gerät ins Hintertreffen, bisherige Minderheiten addieren sich zu einer Mehrheit. Das ist der Grund, warum Barack Obama 2012 die Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und zugleich der Grund, warum nun Donald Trump als Präsidentschaftskandidat bei den Republikanern in den Umfragen vorne liegt.

Die Person Donald Trump steht für das letzte verzweifelte Aufbegehren eines vergehenden Typus: dem dominanten weißen Mann. Trump ist die fleischgewordene Wut auf eine offene, multikulturelle und gleichberechtigte Gesellschaft, in der sich die Kräfteverhältnisse verschieben. Er verkörpert den Zorn auf eine Politik, die diesen Wandel akzeptiert anstatt ihn aufzuhalten. So ist der milliardenschwere Geschäftsmann Trump, dessen Äußerungen so seltsam sind wie seine Frisur (die manche nur "das tote Tier auf dem Kopf" nennen), zur Ikone derjenigen geworden, die die Zukunft als Bedrohung empfinden, weil sie in ihr mehr zu verlieren als zu gewinnen haben.

Nun hat Trump ausgerechnet eine Frau mit einer Frage zu seinem Frauenbild sprachlos gemacht. Er nenne Frauen "Hündinnen", "fette Schweine" und "Schlampen", sagte die Fernsehmoderatorin Megyn Kelly. "Meinen Sie wirklich, so sollte sich ein Mann verhalten, den wir als Präsidenten wählen sollen?" So verblüfft Trump in der Live-Show war, so möchtegernschlagfertig gab er sich einen Tag später: "Da tropfte Blut aus ihren Augen, Blut kam aus ihr heraus, wo auch immer", sagte er über die Moderatorin.

Die blutende Frau als unzurechnungsfähiges Wesen - das ist Chauvinismus aus der Mottenkiste. Die Menstruation als periodisches Irresein der Frau, so haben Wissenschaftler vor hundert Jahren gedacht. Dass es republikanische Präsidentschaftskandidaten von heute auch noch tun, offenbart zweierlei: Erstens: Die Geschichte der Menstruation bleibt eine Geschichte voller Missverständnisse. Zweitens: Wer Blutsbrüderschaft mit dem Gestern schließt, sollte sich vor weiblichen Moderatoren hüten. Oder wie Megyn Kelly sagt: "Wenn jemand an mir nicht vorbeikommt, wie soll er dann mit Putin fertig werden?"

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(RP)