Das sagte Bundespräsident Christian Wulff

Das sagte Bundespräsident Christian Wulff

"Was die christlichen Kirchen in unserem Land leisten, in Diakonie und Caritas, in der Sorge um Arme und Schwache in unserem Land und überall auf der Welt, das ist einfach großartig und unverzichtbar für den Zusammenhalt! Wahr ist auch: Wenn Menschen diese Nähe und diesen selbstlosen Einsatz erfahren, dann hören sie auch die christlichen Botschaften, die nicht immer bequem für sie sind. Heiliger Vater, Ihre Aussagen zum Schutz der Schöpfung und des menschlichen Lebens, zum Umgang mit Fremden und Fremdem sind unendlich wertvoll als Mahnung zur Menschlichkeit unserer Gesellschaft. Auch dafür danke ich Ihnen und allen engagierten Christinnen und Christen in unserem Land.

Kirche und Staat sind bei uns in Deutschland zu Recht getrennt. Aber: Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit. Deswegen ist sie auch selbst immer wieder von neuen Fragen herausgefordert: Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?

Deutschland ist Stammland der Reformation, und ich freue mich außerordentlich, dass Sie morgen nach Erfurt fahren, an eine wichtige Wirkungsstätte Martin Luthers, und dass Sie sich dort mit den Vertreterinnen und Vertretern der evangelischen Kirchen treffen und einen ökumenischen Wortgottesdienst feiern.

Ich bin fest überzeugt: Das Trennende bedarf der Begründung, nicht das Gemeinsame. Deswegen haben wir hier sehr viel zu tun. Ich freue mich ebenfalls darüber, dass die katholische Kirche in Deutschland in ihren eigenen Reihen einen Dialogprozess begonnen hat. Ich weiß aus vielen Gesprächen gerade im Vorfeld Ihres Besuches, dass nicht nur die engagierten Laien davon sehr viel erwarten. Und die Kirche braucht sie doch alle, Laien und Geistliche.

Heiligkeit, Millionen Menschen sehen mit größter Freude und Neugier auf die kommenden Tage. Ihr Besuch wird die Christen und ihr Engagement stärken. Und er wird uns allen helfen, Orientierung und Maßstäbe zu finden."

(Auszug)

(RP)