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Persönlich: Daniel Cohn-Bendit ... holen alte Vorwürfe ein

Persönlich : Daniel Cohn-Bendit ... holen alte Vorwürfe ein

Der Alt-68er und deutsch-französische Politiker Daniel Cohn-Bendit soll im April mit dem Theodor-Heuss-Preis für seine Verdienste um die Demokratie geehrt werden. Die Festrede zur Preisverleihung hat der oberste Hüter der Verfassung, Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle, abgesagt. Der Grund: Der Grünen-Politiker habe sich "in nicht unproblematischer Weise zur Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern" geäußert, wie ein Sprecher des Verfassungsgerichts der Deutschen Presseagentur sagte.

Cohn-Bendit, der Anfang der 70er Jahre zur Frankfurter Sponti-Szene gehörte und zeitweise mit Joschka Fischer in einer WG wohnte, hatte Mitte der 70er Jahre in seinem Buch "Der große Basar" aus seiner Zeit als Erzieher in einem antiautoritären Kinderladen berichtet. Dabei beschrieb er auch Intimitäten zwischen sich und den Kindern. Cohn-Bendit selbst hat diese Textpassagen mehrfach bedauert. Angesichts der Missbrauchsskandale der vergangenen Jahre nannte der heute 67-Jährige sie sogar "unerträglich". Die Stiftung will an Cohn-Bendit als Preisträger festhalten. Die Kuratoriums-Vorsitzende Gesine Schwan verwies darauf, dass Cohn-Bendit "nicht aktiv und auch nicht in instrumentalisierender oder missbräuchlicher Absicht gegenüber den Kindern gehandelt" habe. Dies belege auch ein Brief der Eltern und Kinder.

Wie viele 68er hat Cohn-Bendit eine umstrittene Biografie. Nach den Mai-Unruhen der Studenten in Paris war er 1968 aus Frankreich ausgewiesen worden. Im gleichen Jahre zeigte er auch für die Terroristen Gudrun Ensslin und Andreas Baader Sympathie, als diese für eine Kaufhausbrandstiftung verurteilt wurden. Wie viele andere seiner Wegbegleiter wurde Cohn-Bendit mit den Jahren immer bürgerlicher. Seit 1994 sitzt er für die Grünen im Europa-Parlament. Er hat einen Sohn. 1997 heiratete er seine langjährige Freundin Ingrid Apel.

Eva Quadbeck

(RP)