Persönlich: Dagmar Wöhrl . . . verteidigt sich mit Transparenz

Persönlich : Dagmar Wöhrl . . . verteidigt sich mit Transparenz

Von Dagmar Wöhrl (59) ist bekannt, dass sie als CSU-Abgeordnete Chefin des Entwicklungsausschusses im Bundestag ist, dass sie Wirtschaftsstaatssekretärin war und wie sie zum Titel "Miss Bundestag" kam: weil sie in ihrer Jugend erfolgreich an nationalen und internationalen Miss-Wahlen teilgenommen hatte. Nicht so recht bekannt war bislang, wie sie mit ihren lukrativen Nebenjobs umgeht und ob sie sich für einen Urlaubsflug beim Bundestag krank meldete.

Doch in dieser Auseinandersetzung mit ihrer heimischen "Süddeutschen Zeitung" setzt Wöhrl auf Transparenz und stellt jede E-Mail, jeden Brief und jedes Schreiben ihrer und der gegnerischen Anwälte ins Netz. Und so kann sich nun jeder einen Reim darauf machen, wie schwer die Abgeordnete unter einer Knie-Erkrankung litt und sich deshalb "mit Rollstuhl und Krücken" für den einzigen verfügbaren Direktflug nach Sri Lanka zu einem Besuch eines Stiftungsprojektes entschieden habe. Dabei habe sie geplant, sich "ordnungsgemäß" von einer namentlichen Abstimmung abzumelden, als sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, schildert Wöhrl.

Die Politikerin gibt zudem Einblicke in ihre Tätigkeiten für die Schweizer Sarasin-Bank mit derzeitigen Quartalseinkünften von 26 973 Schweizer Franken sowie in ihre Aufsichtsratsmandate bei der Nürnberger Versicherung. Gleichzeitig dementiert sie vermutete Gegenleistungen in der Wirtschaftspolitik. Auch verlorene Originalbelege für ihre Krankenkasse sind zum Thema der Auseinandersetzung geworden. Und als Wöhrl in der Zeitung Zitate aus einem Brief las, der nur wenigen Mitarbeitern bekannt sei, war für sie das Maß voll: Sie erstattete Anzeige gegen Unbekannt, um das "Leck" in ihrem eigenen Büro herauszufinden. Den verdächtigen Brief selbst stellte sie aber ebenfalls online, so dass nun auch das Publikum von dem "Chaos der Papiere" in ihrem Büro erfährt.

Gregor Mayntz

(RP)
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