Berlin: CSU nennt Heveling "postpubertär"

Berlin: CSU nennt Heveling "postpubertär"

In der Union wächst die Zahl der Politiker, die sich von der barschen Internet-Kritik ihres Parteifreundes Ansgar Heveling distanzieren. Nachdem der Korschenbroicher CDU-Bundestagsabgeordnete in einem Gastbeitrag den Nutzern des Kurznachrichtendienstes Twitter unterstellt hatte, sie würden ihre "zweite Pubertät durchleben", reagierte die stellvertretende CSU-Generalsekretärin (und eifrige Twitterin) Dorothee Bär besonders scharf. Wer so argumentiere wie Heveling, habe "das postpubertäre Affektdenken selbst nicht überwunden".

Sie empfahl Heveling, darüber nachzudenken, "ob er als Politiker den richtigen Beruf gewählt hat". Politik sei dazu da, den Menschen zu helfen, und nicht sie zu verunsichern. Ganz sicher seien in der Internet-Kommission des Bundestages "Mutmacher gefragt — keine Angstmacher". Damit spielte sie auf Hevelings Funktionen innerhalb des Bundestages und der Unionsfraktion an. Der Jurist ist Mitglied im Rechtsausschuss sowie in der Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" und für seine Fraktion verantwortlich für die Themenfelder Urheberrecht und Internetkriminalität.

Genau hier lag für Heveling das Motiv, sich einmal kritisch und in "feuilletonistisch" zugespitzter Form mit dem Internet auseinanderzusetzen und für Urheberrechte zu werben. Die Mehrheit der Internet-Nutzer wittert seit Jahren hinter jedem Versuch, den Schutz des geistigen Eigentums auch im Internet durchzusetzen, den Versuch einer Zensur. Mit dieser Mehrheit legte sich Heveling an und erklärte ihr indirekt den "Krieg", indem er der "Netzgemeinde" vorhersagte, sie werde "den Kampf verlieren".

Damit löste er eine Welle von Hasstiraden aus und musste erleben, wie seine eigene Homepage wiederholt gehackt, stillgelegt und mit angeblichen Heveling-Ankündigungen über einen Parteiaustritt versehen wurde.

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Bär wandte sich gestern gegen Hevelings Bezeichnung von Internet-Nutzern als "digitalen Horden" und fragte Heveling, ob er so auch einen Blogger bezeichnen würde, der über Folter und Despotie in seinem Land berichte, oder eine Frau, die einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen sei und in anonymen Online-Foren Trost suche.

Sein Wahlkreis-Nachbar und stellvertretender Unionsfraktionschef Günter Krings aus Mönchengladbach gratulierte indes Heveling zu dem "scharf zugespitzten und brillant geschriebenen" Beitrag. Die Tatsache, dass Hevelings Homepage gehackt worden sei, beweise, wie wahr seine These von einer Art "Kulturkampf" im Netz sei. Es gebe eine "kleine Gruppe von Netzradikalen", die letztlich bürgerliche Werte wie Meinungsfreiheit verneinten.

Heveling gehört im Netz jedenfalls derzeit zu den bekanntesten Figuren. Es tauchte nach "guttenbergen" und "wulffen" bereits das neue Wort "hevelingen" auf. Es soll stehen für "keine Ahnung von den Dingen haben, über die man spricht".

(RP)
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