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Corona: Schulen trotz Infektionen nicht ganz schließen

Mögliche Infektionen : Ärztepräsident will Schulen bei Corona-Fällen nicht komplett schließen

Es ist eine brisante Frage zum Schulstart: Was passiert eigentlich, wenn unter Kindern oder Lehrern erste Corona-Fälle auftreten? Selbst dann müsse womöglich nicht gleich die ganze Schule geschlossen werden, meinen Mediziner.

Zum Schulstart in NRW an diesem Mittwoch hat sich Ärztepräsident Klaus Reinhardt im Fall von Corona-Infektionen gegen die Schließung ganzer Schulen ausgesprochen. „Wenn ein Corona-Fall in einer Schule auftaucht, muss nicht direkt die Schule für 14 Tage geschlossen werden“, sagte Reinhardt unserer Redaktion. Es reiche, wenn einzelne Klassen oder Kurse zu Hause blieben. Voraussetzung dafür sei natürlich, dass die Schülerinnen und Schüler auch nur in diesen Gruppen zusammenkämen. „Darauf müssen die Schulen achten und entsprechende Konzepte machen“, forderte Reinardt.

Zuvor hatte es eine breite Debatte über die Hygienevorschriften an Schulen in NRW gegeben. Insbesondere die Maskenpflicht im Unterricht stieß auf Kritik. Sie gilt an weiterführenden und berufsbildenden Schulen, nicht jedoch in Grundschulen.

Das NRW-Schulministerium hat die Schulleitungen nun dazu aufgefordert, den Kindern Pausen beim Maskentragen einzuräumen. Ob und wie lange dies möglich sei, hänge von den Gegebenheiten an den einzelnen Schulen ab, sagte Schulstaatssekretär Mathias Richter am Dienstag in Düsseldorf. Bußgelder bei Verstößen gegen die Maskenpflicht, so wie sie in Bussen oder Bahnen drohen, gebe es in den Schulen  aber nicht. Die Schulleitungen könnten aber „erzieherische Maßnahmen“ bei Schülern ergreifen, die sich bewusst oder sogar provokativ nicht an die Vorgaben des Infektionsschutzes hielten. „Letztlich kann es dazu führen, dass es nach Hause geht“, so Richter.

Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht jedoch grundsätzliche Defizite der Schulen im Umgang mit der Pandemie. Leider seien viele Schulen mit Blick auf ihre Hygiene- und Abstandskonzepte auf den Start nach den Sommerferien nicht ausreichend vorbereitet, kritisierte der Ärztepräsident. Zur Dauern von Quarantänen bei Infektionen mit dem Corona-Virus sagte er: „Grundsätzlich halte ich 14 Tage Quarantäne ohnehin für sehr lang bemessen. Es gibt inzwischen Studien, wonach auch sieben Tage ausreichen, bis das Ansteckungsrisiko vorbei ist.“