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Persönlich: Christoph Frank . . . sieht die Justiz abstiegsbedroht

Persönlich : Christoph Frank . . . sieht die Justiz abstiegsbedroht

Zwei Sorgenkinder hat Christoph Frank: seinen SC Freiburg und die Justiz in Deutschland, vor allem in NRW. Der Lieblingsklub des Freiburger Oberstaatsanwalts und Vorsitzenden des Deutschen Richterbunds ist abstiegsgefährdet, und die fehlenden Richter und Staatsanwälte allein in NRW beziffert Frank auf 690.

Der 61-jährige Jurist, der seit 2007 an der Spitze der 1908 gegründeten Standesorganisation steht und unter den bislang 17 Vorsitzenden der erste aus den Reihen der Strafverfolger ist, schlägt Alarm. Bei den Angehörigen der dritten Gewalt keime Staatsverdrossenheit, die Justiz werde durch den Sparkurs und von der Landesregierung in NRW zusätzlich durch "verfassungswidrige doppelte Nullrunden" bei der Besoldungsanpassung geschwächt.

Fußballfreund Frank sieht die Justiz deshalb ähnlich im Stimmungstief wie seinen Bundesligisten vor der eigenen Haustür im Südschwarzwald.

Dort, in der 3200-Seelen-Gemeinde Buchenbach bei Kirchzarten, ist der so umtriebige wie gewichtige Oberstaatsanwalt ehrenamtlicher, parteiloser Ortsvorsteher. Christoph Frank gehört zu jenen Menschen, die sich allerhand aufbürden, die der Broterwerb allein nicht auslastet, die sich – modisch ausgedrückt – in die Zivilgesellschaft einbringen und sie so stützen.

Der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen ist nicht nur stellvertretender Chef der Freiburger Staatsanwaltschaft, sondern auch Leiter der Schwerpunktabteilung Doping-Kriminalität. Franks "Doping" ist die Arbeit, das "Reiten in vielen Sätteln", das häufiges Reisen zwischen Freiburg und Berlin verlangt, wo der Richterbund seit 1999 seinen Hauptsitz hat. Soeben hat Frank zusammen mit dem Beamtenbund und Bundeswehrverband eine etwas hochtrabend "Staatsallianz" genannte Initiative ins Leben gerufen. Der Dreierbund soll den Notruf von Richtern und anderen öffentlich Bediensteten Richtung Politik verstärken.

(RP)