Christian Lindner: "Dämlicher Zwischenruf" wird für SPD zum Eigentor

Düsseldorf : "Dämlicher Zwischenruf" wird für SPD zum Eigentor

Ein sozialdemokratischer Hinterbänkler lästert im Landtag über das Scheitern von FDP-Chef Lindner als Unternehmer - und der legt richtig los.

So beliebt war die FDP schon lange nicht mehr - und dafür kann sich deren Vorsitzender Christian Lindner vor allem beim politischen Gegner bedanken. Im Landtag hatte der SPD-Hinterbänkler Volker Münchow dem Landes- und Bundeschef der FDP in einem Zwischenruf dessen eigenes unternehmerisches Scheitern vorgehalten - ausgerechnet nach der Regierungserklärung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), in der sie für mehr Gründergeist warb. Für Lindner war das eine Steilvorlage.

"Da haben Sie einen in ihren eigenen Reihen, Frau Ministerpräsidentin, der nicht zuhört, was Sie machen", lästerte Lindner: "Das ist einer der Gründe, warum die Menschen heute in den öffentlichen Dienst gehen, statt zu gründen. Weil man, wenn man Erfolg hat, ins Visier der sozialdemokratischen Umverteiler gerät, und wenn man scheitert, ist man sich Spott und Häme sicher." Das Video zu der Wutrede ist inzwischen ein Hit im Internet und wurde Tausende Male in den sozialen Netzwerken geteilt.

Lindner sprach gerade davon, dass Gründungen sozialen Aufstieg und Arbeitsplätze schaffen, als ihn Münchow unterbrach: "Damit haben Sie ja Erfahrung", rief der SPD-Politiker, der seit 2012 für seinen Wahlkreis Mettmann, Velbert und Wülfrath im Landtag sitzt.

Er spielte damit auf Lindners wenig erfolgreiche Karriere als Unternehmer an. Dieser hatte im Jahr 2000, nachdem er gerade als jüngster Abgeordneter mit Anfang 20 in den Landtag eingezogen war, die Moomax GmbH gegründet. Doch das Internet-Unternehmen floppte - nach 18 Monaten war das Abenteuer schon wieder vorbei, und Millionen waren verloren.

Solche Unternehmenspleiten gelten in Deutschland - anders als etwa in den USA - oft noch immer als Makel. Dass sich diese Haltung ändern müsse, darin ist sich Lindner jedoch sogar mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft einig.

Der Zwischenrufer habe sich daher mit seinem Kommentar bis auf die Knochen blamiert, lästerte Lindner: "Sie haben die Regierungserklärung der Ministerpräsidentin durch ihren dämlichen Zwischenruf zur Makulatur gemacht." Welchen Eindruck mache so ein "dümmlicher Zwischenruf" auf einen gründungswilligen jungen Menschen?

Münchow, der politisch bislang kaum aufgefallen ist, ist die Sache inzwischen extrem unangenehm, beweist sein Kommentar doch, wie wenig Krafts vermeintliche Digital-Strategie in den eigenen Reihen angekommen ist. Am Telefon will er sich daher auch am liebsten gar nicht äußern. Der SPD-Politiker versucht lieber Schadensbegrenzung. Das sei eine Lappalie, sagte er unserer Zeitung: "So einen Zwischenruf habe ich bei Lindner schon 25 Mal gemacht." Die Rede der Ministerpräsidentin sei klar gewesen, findet Münchow. Deren Aussage jedoch anscheinend nicht.

(RP)
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