Peking: Chinas Präsident lässt sich jetzt auch im Comic feiern

Peking : Chinas Präsident lässt sich jetzt auch im Comic feiern

Ein Online-Cartoon über Staats- und Parteichef Xi Jinping und seine Frau Peng Liyuan macht in China Furore. Der Comic erklärt, warum Xi zu einem Wirtschaftsforum auf die Südseeinsel Hainan fährt. Der Trickfilm ist Teil des neuen Personenkults um Xi. In dem Streifen wird das Präsidentenehepaar "Xi Dada" (Onkel Xi) und "Peng Mama" genannt. Und es geht gleich despektierlich los mit der Frage, warum "Xi Dada" denn nun schon zum dritten Mal hintereinander nach Hainan fahre. "Will er Südseeatmosphäre unter Palmen schnuppern, am Strand baden oder sich unter andere Erlauchte mischen?"

Harter Tobak in einem Staat, der sich mit Karikaturen seiner Führer schwertut und nicht mag, wenn ihnen freche Fragen gestellt werden. Aber natürlich fällt die Antwort staatstragend aus: Derfast drei Minuten lange Cartoon erklärt vielmehr volkstümlich, dass Xi nun schon im dritten Jahr an seinem Plan arbeite. Im März 2013, zwei Wochen nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten, fuhr er erstmals zur Wirtschaftskonferenz nach Hainan, die nach dem Willen der Pekinger Führung künftig für die Welt wichtiger als das Wirtschaftstreffen im schweizerischen Davos werden soll. Der Trickfilm verkneift sich auch nicht einen Seitenhieb auf den Rivalen USA, der seit drei Jahren vergeblich versuche, im Pazifik erneut Fuß zu fassen.

Der aufblühende Personenkult um den neuen starken Mann Chinas findet auch in online gesendeten Kinderliedern Ausdruck, deren Text Xi gleich selber geschrieben hat. Die neuen Werbeformen sind offenbar direkt im Auftrag oder mit Billigung der Propaganda-Ämter hergestellt worden. Auffällig ist jedenfalls, dass sie im Internet bislang von Zensurmaßnahmen unbehelligt blieben. Für das Cartoon zeichnet ein sogenanntes "Atelier Fuxing Lushang" verantwortlich. Die Agentur hat sich bisher öffentlich nie geäußert, wer ihre Geldgeber sind oder wer hinter ihnen steht.

(RP)