Chemiewaffenfabrik in Syrien bombardiert - Angriff von Israel soll Iran warnen

Chemiewaffenfabrik bombardiert : Israels Angriff in Syrien soll Iran warnen

Der Beschuss einer mutmaßlichen Chemiewaffenfabrik in Syrien durch die israelische Luftwaffe dient eigentlich der Abschreckung der schiitischen Hisbollah. Zwei Soldaten sind bei dem Angriff in der Provinz Hama ums Leben gekommen.

Israels Regierung will ein Zutun beim Angriff auf eine syrische Raketen- und Chemiewaffenfabrik weder leugnen noch bestätigen. Zwei syrische Soldaten starben in der Nacht zu gestern bei einem Luftangriff auf das syrische Wissenschaftliche Studien- und Forschungszentrum (CERS) und ein benachbartes Militärlager für Boden-zu-Boden-Raketen bei Masjaf, nordwestlich von Homs.

Laut Mitteilung der syrischen Armee feuerten israelische Kampfflugzeuge vom Libanon aus mehrere Raketen auf die beiden Einrichtungen. Syrien warnte in der Mitteilung vor den "gefährlichen Folgen eines solch feindlichen Angriffs für die Sicherheit und Stabilität der Region".

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte vor einigen Wochen zugegeben, dass Israel bereits "Dutzende, Dutzende Male" angegriffen habe, um Waffentransporte aus Syrien an die libanesisch-schiitische Hisbollah zu verhindern. Der Angriff auf die Rüstungsfabrik bei Masjaf ist insofern von anderer Qualität, da es sich um eine syrische Forschungseinrichtung handelt. Allerdings reiste Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, dessen Kämpfer die militärischen Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al Assad unterstützen, erst vor gut einer Woche nach Damaskus, offenbar auch mit dem Ziel, "seine Hand auf die Fabrik zu legen", wie Israels früherer Nationaler Sicherheitsberater Jakob Amidror vermutet, oder "wenigstens Waffen zu bekommen", die dort produziert werden.

In einer telefonischen Schaltkonferenz mit Journalisten signalisierte Amidror, dass Israel hinter dem Angriff auf Masjaf steht. Israel werde "nicht zulassen, dass moderne Waffensysteme in die Hände der Hisbollah geraten". Ebensowenig akzeptabel seien "iranische Raketenabschussbasen auf syrischem Boden".

Für Israel ist schon der lange Arm des Iran, der in Form der Hisbollah bis in den Libanon reicht, ein riesiges Sicherheitsproblem. Tausende israelische Soldaten proben seit Dienstag in der umfangreichsten Militärübung der vergangenen 20 Jahre den Kampf gegen Terrorgruppen und feindliche Milizen, die auf dem Boden, in der Luft und zu Wasser angreifen könnten. Die Übung soll zehn Tage lang dauern, und sie richtet sich gegen die Hisbollah — als Abschreckung und als Vorbereitung auf den nächsten Krieg, der in Israel als unausweichlich gilt.

Politisch konzentriert Jerusalem die Anstrengungen darauf, eine zusätzliche Front mit dem Iran, der als Israels gefährlichster Feind gilt, auf syrischem Boden zu verhindern. Bei der Reise von Ministerpräsident Netanjahu Ende August nach Sotschi war vor allem die Zukunft Syriens Thema der Gespräche mit Wladimir Putin, für den die Iraner Verbündete sind.

Die russischen Truppen kämpften Seite an Seite mit iranischen Soldaten in Syrien, um Präsident Assad im Kampf gegen die Rebellen den Rücken zu stärken. Trotz der unterschiedlichen Interessen legt es Israel offenbar nicht darauf an, die Russen vor den Kopf zu stoßen. Die Sorge vor einem möglichen Konflikt mit Moskau dürfte Grund dafür sein, dass die Raketen in der Nacht zu gestern aus dem libanesischen Luftraum abgefeuert wurden und nicht direkt über Syrien.

Amos Jadlin, Chef des Tel Aviver Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) lobte gestern via Twitter den Angriff auf die Fabrik, "die Chemiewaffen und Fassbomben herstellte, die Tausende syrische Zivilisten getötet haben". Erst am Vortag hatte die UN einen Bericht zum Einsatz der syrischen Armee von chemischen Waffen "und anderen Verbrechen gegen Zivilisten" veröffentlicht.

Seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor sechs Jahren sei es zu annähernd 30 Giftgasangriffen gekommen. Die Regierung in Damaskus wies die Vorwürfe, Nervengas eingesetzt zu haben, von sich. Der Bericht macht ferner das US-Militär für das Versagen verantwortlich, bei einem Angriff im März auf mutmaßliche Terroristen "nicht alle erdenkbaren Vorkehrungen zum Schutz von Zivilisten" ergriffen zu haben. Umgekehrt zielten "Terroristen und andere bewaffnete Gruppen mit Auto- und Selbstmordattentaten, mit dem Einsatz von Scharfschützen und Geiselnahmen auf religiöse Minderheiten".

(RP)
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