Deutschlandtag in Fulda Der neue Chef der Jungen Union kommt aus NRW

Düsseldorf · Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union soll Johannes Winkel am Abend zum Bundesvorsitzenden gewählt werden. Bei der Wahl zum NRW-Landesvorsitzenden vor zwei Jahren erhielt er 99 Prozent der Stimmen. Doch wer ist der Volljurist aus dem Südwestfälischen?

 Tilman Kuban (l.), Vorsitzender der Jungen Union (JU), und Johannes Winkel, nordrhein-westfälischer JU-Landesvorsitzender.

Tilman Kuban (l.), Vorsitzender der Jungen Union (JU), und Johannes Winkel, nordrhein-westfälischer JU-Landesvorsitzender.

Foto: dpa/Bernd Thissen

Es ist ein steiler, aber hart erarbeiteter Aufstieg, den Johannes Winkel in der Jungen Union hingelegt hat. Erst vor zwei Jahren wurde der Südwestfale zum NRW-Landesvorsitzenden der CDU-Jugendorganisation gewählt, mit einem Traumergebnis von 99 Prozent der Stimmen. Nun schickt sich der 31-Jährige an, Tilman Kuban auf dem Posten des Bundesvorsitzenden nachzufolgen. Der Wunschkandidat des scheidenden Vorsitzenden war Winkel nie, dafür sind die beiden von ihrer Persönlichkeit zu unterschiedlich. Ein Versuch Kubans, den Nordrhein-Westfalen zu verhindern, scheiterte dem Vernehmen nach. Winkel soll am Freitagabend von den 1000 Delegierten in Fulda gewählt werden.

Hermann Gröhe, Hildegard Müller, Philipp Mißfelder und zuletzt Paul Ziemiak – um nur einige der Bundesvorsitzenden mit Wurzeln in NRW zu nennen. Und jetzt noch Johannes Winkel. Der Volljurist vereint dabei das Westfälische mit dem Rheinischen, ging er doch zum Jura-Studium nach Stationen in München und St. Gallen in die Bundesstadt Bonn.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sagte einmal unserer Redaktion, Winkel könne in jungen Jahren pointiert auf die Lage seiner Generation aufmerksam machen, und gleichzeitig sei er ausgewogen und reif genug, andere für seine Positionen zu begeistern: „Ich halte ihn für ein großes Talent, weil er reifer ist als ich damals, als ich mit 25 zum JU-Landesvorsitzenden gewählt wurde.“

Winkel selbst bezeichnet sich parteipolitisch als Spätzünder. Erst mit 19 Jahren wird er bei der JU aktiv. „Daheim war niemand Parteimitglied, was ich im Rückblick als eher angenehm empfinde.“ Die Eltern sind in der Kirchengemeinde und der Kolpingsfamilie aktiv. Winkel selbst ist Messdiener, in der Kolpingjugend, im Fußball- und Basketballverein. Das Elternhaus ist christlich-sozial geprägt. „Zu Hause wurde bei uns viel diskutiert. Mit meinem Vater habe ich sonntags manchmal den ,Presseclub’ geschaut. Ich weiß noch, wie er da sagte: ,Ich verstehe nicht, wie man als christliche Partei gegen den Mindestlohn sein kann.’“ Seine Lehrer gehören eher dem linken Spektrum an. „Meine Sozialwissenschaftslehrerin meinte zu mir, sie sei aus der SPD ausgetreten, da diese ,nicht mehr links genug sei’.“ Winkel hält schon zu Schulzeiten mit seiner Meinung nicht hinterm Berg: „Da bin ich verbalen Auseinandersetzungen selten aus dem Weg gegangen.

Der Gedanke reift: Wenn er was ändern will, genüge es nicht, politische Talkshows anzusehen. Mit Freunden reaktiviert er die Junge Union im sozialdemokratisch geprägten Kreuztal bei Olpe. Ein öffentliches Mandat hat Winkel bislang nicht bekleidet. „Meine erste Priorität lag auf dem Studium, das mit dem Staatsexamen auch gut funktioniert hat. Das war mir auch wichtig, um eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren.“ Genau die lobt ein langjähriger Weggefährte: „Ihm hilft, dass er nicht nur im JU-Kosmos zu Hause ist. Er schaut über den Tellerrand hinaus: Ein ganz normaler, guter Typ, der mitten im Leben steht.“ Zugleich sei Winkel extrem fleißig. „Ihm macht es nichts, morgens früh quer durch NRW zu fahren, um bei einem Verband am Niederrhein als Redner aufzutreten.“

Für Krawall um der Aufmerksamkeit willen sei er nicht der Typ, sagt Winkel über sich selbst. Trotzdem scheut er nicht die klare Kante in der politischen Auseinandersetzung. Wenn er sie auch bedacht und in seiner ruhigen, westfälischen Art vorträgt. Im Rennen um den Führungsanspruch in NRW schlug er sich früh auf die Seite von Hendrik Wüst, war dann im Landtagswahlkampf mit dem „Team Wüst“ omnipräsent. Und er machte nie einen Hehl daraus, dass er sich Friedrich Merz an der Spitze der CDU Deutschlands wünschte – auch wenn dieser sich zunächst Armin Laschet geschlagen geben musste, ehe es dann doch zum Parteivorsitz reichte. Der direkte Draht zu Wüst und Merz, zwei Machtzentren in der Union, dürfte Winkel in seiner neuen Rolle noch sehr nützlich werden.

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