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Washington: Bush gegen Clinton — US-Wahlkampf der Clans

Washington : Bush gegen Clinton — US-Wahlkampf der Clans

2016 wird Jeb Bush wohl für die Republikaner um die Präsidentschaft kämpfen. Bei den Demokraten ist Hillary Clinton so gut wie gesetzt.

Als Jeb Bush seine erste Gouverneurswahl verlor, 1994 in Florida, wurde er so ausgiebig getröstet von seinem Vater, dass sich sein älterer Bruder fast wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. George W. Bush hatte am selben Abend in Texas seine erste Gouverneurswahl gewonnen, und als der Senior endlich auch für ihn ein Ohr hatte, soll George aufgebracht gefragt haben: "Warum tut dir Jeb leid? Wieso freust du dich nicht mit mir?"

Überliefert ist auch, dass Ronald Reagan, als er den Bush-Nachwuchs kennenlernte, nur Jeb eine steile Karriere zutraute. "George? George ist der Familienclown", urteilte damals Marvin, das Nesthäkchen. So gesehen geriet die Planung ziemlich durcheinander, als der Ältere, der sich der britischen Königin einmal als schwarzes Schaf der Familie vorstellte, beim Galadiner angetan mit Cowboystiefeln ins Oval Office einzog und der Jüngere in der zweiten Reihe steckenblieb.

Jeb wurde dann doch zum Gouverneur Floridas gewählt, 1998 und 2002. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt ging er auf Tauchstation. Der Souverän bestrafte die Republikaner für die Fehler seines Bruders, für den Irakkrieg, das stümperhafte Krisenmanagement nach dem Hurrikan "Katrina", das sorglose Anhäufen von Schulden und delegierte mit Barack Obama den Anti-Bush ins Weiße Haus. 2008 wusste Jeb, dass er sein Pulver bloß verschießen würde, sollte er antreten.

Vier Jahre später blickten die Konservativen um Mitt Romney auf den Bush-Clan noch immer wie auf eine Ansammlung peinlicher Verwandter, die man besser nicht ins Rampenlicht lässt. Doch langsam verblasst im Wahlvolk die Erinnerung an George W., sie wird überlagert von der Ernüchterung über Barack Obama, der, überhäuft mit Vorschusslorbeeren, gebremst durch einen blockierten Kongress, Hoffnungen enttäuschte. Kurzum, der nächste Bush wittert Morgenluft.

Vom Naturell her ist er eher ein abwartender Taktierer, der mehr an seinen gründlich abwägenden Vater erinnert als an den burschikosen Bruder. Ob er sich bewerbe, wolle er bis zum Jahresende entscheiden, sagte er neulich, als die Familie feierte, dass vor 25 Jahren erstmals ein Bush Präsident wurde. Bei Kampagnen müsse man im Übrigen zuhören und lernen: "Ich glaube schon, dass wir Republikaner da ein wenig vom Weg abgekommen sind." Dass ein derart vorsichtiger Mann überhaupt von Kampagnen spricht, klingt nach der sicheren Ankündigung einer Kandidatur. Und damit nach einem Duell der Dynastien. Bei den Demokraten scheint Hillary Clinton gesetzt, Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton und Ex-Außenministerin — wie bereits 2008, bevor der Senkrechtstarter Obama ihre Rechnung durchkreuzte. Ein neuer Obama ist nicht in Sicht, die Favoritin konkurrenzlos. Das kann sich ändern, doch momentan spricht alles für ein rauschendes Hillary-Clinton-Fest. Auf republikanischer Seite dürfte sich ein dichteres Feld drängen.

Der Libertäre Rand Paul macht sich Außenseiter-Hoffnungen, der Texaner Ted Cruz symbolisiert die Tea Party. Rob Portman, ein debattenstarker Senator aus Ohio, steht für den Mainstream, ähnlich wie Chris Christie, der wortgewaltige Gouverneur New Jerseys, der allerdings im Verdacht steht, einen Brückenstau künstlich verursacht zu haben, um sich an einem kantigen Bürgermeister zu rächen. Bush wäre am markantesten der Mann der Mitte, zumindest profiliert er sich so — in der Rolle des Brückenbauers.

Was für ein Phänomen! Dynastien, Erbhöfe, eigentlich sind sie verpönt in der amerikanischen Republik, die in rebellischem Aufbegehren gegen die britische Krone entstand. Bill Gates, Steve Jobs, Mark Zuckerberg — aus dem Internatszimmer, der Bastlergarage heraus an die Spitze, solche Biografien entsprechen schon eher dem Ideal. In der Politik ist es graue Theorie.

Seit dem Vater-Sohn-Paar John Adams und John Quincy Adams, der Senior 1797—1801 Präsident, der Junior 1825—1829, gab es immer wieder Familienbetriebe, aber nie so prägnant wie heute. Von Januar 1989 bis Januar 2009 regierte entweder ein Bush oder ein Clinton im Oval Office. Gelingt es Jeb oder Hillary, daran anzuknüpfen, wird die Ära Obama im Rückblick nur als Ausnahme von der Regel erscheinen.

Jeb Bush also. Verheiratet mit Columba, einer Mexikanerin. Einst Student der Lateinamerika-Wissenschaften. Spricht fließend Spanisch. Allein mit diesen Stichpunkten soll er so etwas sein wie die republikanische Antwort auf einen Trend, den die Republikaner zuletzt gründlich verschliefen. Romney stieß die Hispanics, die am schnellsten wachsende Wählergruppe, mit gefühllosem Gerede von der Selbst-Deportation illegal eingewanderter Lateinamerikaner so gründlich vor den Kopf, dass die mit glasklarer Mehrheit für Obama stimmten. Bush soll die "Grand Old Party" mit ihnen aussöhnen, sie loseisen von den Demokraten.

Dann wäre da noch die Matriarchin Barbara Bush (88), scharfzüngig wie eh und je. "Zwei Präsidenten namens Bush, das reicht", sagte sie dem Parlamentssender C-SPAN. Und überhaupt, die Kennedys, die Clintons, die Bushs, sie alle müssten anderen Familien einmal eine Chance geben. "Ich weigere mich anzuerkennen, dass dieses großartige Land nicht noch mehr wunderbare Leute heranzieht", sagte Barbara Bush. Es klang, trotz des Pathos, recht anti-dynastisch. Nur bezweifeln die meisten, dass es ernst gemeint war.

(RP)