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Anfälligkeit gegen Minen: Bundeswehr-Truppen auf Balkan nicht ausreichend geschützt?

Anfälligkeit gegen Minen : Bundeswehr-Truppen auf Balkan nicht ausreichend geschützt?

Berlin (rpo). Die Bundeswehr-Truppen auf dem Balkan sind scheinbar nicht ausreichend gegen Minen geschützt. In einer Bundeswehr-Studie werde vor einem "tödlichen" Risiko für deutsche Schützen- und Kampfpanzer gewarnt, deren Schutz gegen die auf dem Balkan üblichen Panzerabwehrminen zu schwach sei. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Aufgrund finanzieller Mängel sei ein zusätzlicher Schutz der auf dem Balkan eingesetzten Fahrzeuge verschoben worden. Das Verteidigungsministerium erklärte auf Anfrage, es könne vor eingehender Prüfung des Berichts nicht Stellung nehmen.

Dem Blatt zu Folge bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums die Recherchen mit den Worten, Schützenpanzer "Marder" und Kampfpanzer "Leopard II" "sind nur unzureichend geschützt gegen Panzerabwehrminen". Ein Vertreter des Bundeswehrverbandes sprach in der Zeitung von einem Skandal, da jeder um das hohe Minen-Risiko auf dem Balkan wisse.

Ein interner Bericht des Heeres zu neuen Schutzkonzepten von Ende Juni dieses Jahres komme zu einem vernichtenden Ergebnis zur Sicherheit des Schützenpanzer "Marder", schrieb die Zeitung. In dem Bericht, der inzwischen dem Führungsstab des Heeres im Verteidigungsministerium, dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) sowie dem Heeresamt vorliege, heiße es, der derzeit in der Truppe eingesetzte "Marder" "verfügt über keinen bedrohungsgerechten Minen- und keinen Sekundärsplitterschutz". Dadurch sei das Fahrzeug mit neun Mann Besatzung "Gefährdungen mit überwiegend lethaler Wirkung" (tödliche Wirkung) ausgesetzt.

Diese tödliche Wirkung gehe vor allem von "Detonationen unter dem Wannenboden" aus. Belegt werden diese Aussagen dem Bericht zufolge mit Fotos von Minenexplosionsversuchen an deutschen Panzern. Die als Verschlusssache eingestuften Fotos zeigen demnach, wie einem "Marder" der komplette Wannenboden aufgerissen wurde. Alle Soldaten, die sich im Innenraum aufgehalten hätten, "wären entweder tot oder schwer verletzt", zitierte die Zeitung einen Bundeswehrexperten.

Das Blatt schreibt weiter, inzwischen sei die Entwicklung einer modernen Zusatzpanzerung für den "Marder" abgeschlossen und könnte sofort eingebaut werden. Dies sei vom Bundeswehr Rüstungsamt (BWB) und der Firma Rheinmetall übereinstimmend bestätigt worden. Erst von 2003 an solle die Bundeswehr diesen überlebenswichtigen Schutz erhalten. Diese Verzögerung, so heiße es in einem Vermerk des BWB an die Rüstungsabteilung des Verteidigungsministeriums, ergebe sich allein "aus Haushaltsgründen."

(RPO Archiv)