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Berlin: Bundespräsident Wowereit?

Berlin : Bundespräsident Wowereit?

Der Koalitionsvertrag des neuen rot-schwarzen Bündnisses in Berlin ist gerade unterschrieben, die je vier Senatoren von SPD und CDU vorgestellt, da beginnt in der Berliner SPD schon die Spekulation über die Zukunft des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit.

Nach Angaben eines Weggefährten überlegt Wowereit, Mitte der Legislaturperiode sein Amt an seinen Vertrauten, den Berliner SPD-Chef und neuen Verkehrssenator Michael Müller, abzugeben. Im Frühjahr 2015 könnte Wowereit dann als Kandidat der SPD für das Amt des Bundespräsidenten ins Rennen gehen. Von einer Verabredung zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und Wowereit ist gar die Rede. Demnach könnte Wowereit, der zum linken Flügel der Partei gezählt wird, sich im Gegenzug für eine Unterstützung der eher konservativen möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück oder Frank-Walter Steinmeier die Zusage für die Präsidentschaftskandidatur gesichert haben.

Offiziell wird eine solche Verabredung dementiert. Doch tragen eifrige Parteigänger der Hauptstadt-SPD Indizien zusammen, die eine solche Karriereplanung Wowereits belegen. Der beliebte SPD-Politiker steht bereits vor seiner vierten Amtszeit in der Hauptstadt. Seit 2001 führt Wowereit den Berliner Senat und hatte schon vor zwei Jahren mit dem Vorwurf der Amtsmüdigkeit zu kämpfen. Erst die Kandidatur der grünen Spitzenpolitikerin Renate Künast für das Bürgermeisteramt weckte bei Wowereit neue Motivation. Zudem liebe Wowereit das Repräsentieren, heißt es bei einem führenden Mitglied der Berliner SPD. Das gehe im Amt des Staatsoberhaupts am besten. Wowereit wäre zudem der erste schwule Bundespräsident in der Geschichte der Bundesrepublik: "Das reizt ihn." Im Jahr 2015 wäre Klaus Wowereit 62 Jahre alt, ein gutes Alter für das höchste Staatsamt.

In der Führung der Bundes-SPD hält man eine Diskussion über den Präsidentschaftsbewerber natürlich für verfrüht, deutet aber intern an, dass die Entscheidung für einen Kanzlerkandidaten auch mit der Entscheidung für einen Präsidentschaftskandidaten zusammenhängen könnte. "Und Wowereit ist auf dem Zettel für das höchste Staatsamt", sagt ein SPD-Präsidiumsmitglied. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck wird als möglicher Herausforderer von Christian Wulff genannt. Doch ob Beck, der als SPD-Chef zurückgetreten ist, weil er mit dem Berliner Betrieb fremdelte, den Wechsel in die rastlose Hauptstadt in Betracht zieht, wird bezweifelt.

(RP)