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Rau zieht positive Zwischenbilanz: Bundespräsident Rau setzt Israel-Reise fort

Rau zieht positive Zwischenbilanz : Bundespräsident Rau setzt Israel-Reise fort

Herzlia/Israel (AP). Mit einem Besuch am Grab von Staatsgründer David Ben Gurion hat Bundespräsident Johannes Rau am Donnerstag seinen Staatsbesuch in Israel fortgesetzt. In einer Zwischenbilanz sagte er in Herzlia, das israelische Echo auf seine Rede am Vortag vor dem israelischen Parlament sei "außerordentlich gut, beeindruckend und ohne Herablassung". Rau hatte in der ersten deutschen Rede, die in der Knesset gehalten wurde, um Vergebung für den Massenmord der Deutschen an den Juden gebeten.

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p class="text">Rau sagte, er habe sich sehr über den demonstrativen Beifall der Abgeordneten gefreut. Nach eigenen Worten hätte er aber auch Verständnis gehabt, wenn Proteste gegen den Gebrauch der deutschen Sprache stärker gewesen wären. Für manche sei der Klang der deutschen Sprache noch eine "schmerzende Erfahrung".

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p class="text">Der Sohn des früheren israelischen Botschafters in Deutschland, Adar Primor, entschuldigte sich in einem Zeitungsartikel für Abgeordnete, die Raus Rede fern geblieben waren. Er schrieb: "Vielleicht spielt dabei auch eine gewissen Unwissenheit mit, was Deutschlands Bedeutung und das Wirken seines Staatsoberhauptes für Israel betrifft." Schon die Bereitschaft, sich aufrichtig mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen, unterscheide Deutschland von Österreich. Er fügte hinzu: "Die ausgestreckte Hand Raus sollte in Israel Widerhall finden - und nicht eine leere Knesset."

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p class="text">In Anwesenheit von Rau unterzeichnete Familienministerin Christine Bergmann ein Abkommen mit dem Ziel, den Jugendaustausch zwischen beiden Ländern zu verstärken. Die deutsche Seite stockte dazu ihren geplanten Finanzbeitrag von drei auf fünf Millionen Mark auf. Bergmann sagte, besonders ostdeutsche Jugendliche könnten erst seit zehn Jahren an dem Austausch teilnehmen. Dort gebe es eine Lücke und Nachholbedarf. Der Austausch soll durch Koordinierungsbüros gelenkt werden, die den Jugendministerien der beiden Länder angegliedert sind.

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p class="text">Am Vormittag hatte Rau in der Wüste Negev den Grundstein für ein Wüstenforschungsinstitut gelegt. Die Bundesrepublik stellt dazu ein Darlehen von fünfzig Millionen Mark zur Verfügung.

Rau beendet am Freitag seinen viertägigen Besuch in Israel und fährt in die palästinensischen Autonomiegebiete und nach Ägypten weiter. Die erste Reise Raus als Staatsoberhaupt außerhalb Europas dauert insgesamt elf Tage.

(RPO Archiv)