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Angst vor der Epidemie: BSE stellt Forscher vor viele Fragen

Angst vor der Epidemie : BSE stellt Forscher vor viele Fragen

Hamburg (dpa). Die ersten Fälle der tödlichen Creutzfeldt-Jakob- Krankheit (vCJK) im nahen Frankreich lassen auch in Deutschland die Alarmglocken schrillen. Bislang gab es hier noch keinen Fall dieser neuen Variante, deren Ursache Forscher in verseuchtem Rindfleisch vermuten. Womöglich sind jedoch bereits zahlreiche Menschen infiziert. Fieberhaft versuchen Wissenschaftler, der Übertragung des Rinderwahns auf den Menschen auf den Grund zu gehen. Brennende Fragen sind jedoch noch offen: Geht die tödliche Gefahr nur von Rindern aus? Auf welchem Weg und wie schnell breiten sich die Erreger im Körper aus? Welche Therapien sind denkbar?

Die Epidemie entstand zu Beginn der 80er Jahre. Tierfutter- Hersteller in Großbritannien hatten unwissentlich die gemahlenen Kadaver kranker Schafe an Rinder verfüttert. Die Schafe litten unter Scrapie, einer schwammartigen Gehirnschädigung. Scrapie beim Schaf und BSE (Bovine Spongiforme Encephalopathie) beim Rind sind verwandt. Bei den Erregern handelt es sich um ein krankhaft verändertes Eiweiß. Auch im Gehirn des Menschen können diese tödlichen Prion-Proteine der Rinder gesunde Prionen zu kranken umformen - die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) entwickelt sich. Auf Kopfschmerzen folgt Demenz und der Tod. Eine Heilung gibt es nicht.

Auf der Suche nach der Ursache befragten britische Forscher die Familien der Opfer. "Sie haben nichts gefunden, außer dass die Menschen mitunter Hamburger gegessen hatten", sagt Michael Baier vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. In Experimenten fanden die Forscher heraus, dass Menschen die Erreger durch den Verzehr infizierten Rindfleischs aufnehmen. Die Wanderung vom Darm ins Gehirn treten die krankhaften Prionen mit Hilfe von körpereigenen Zellen an. "Welches Gewebe als erstes im Körper infiziert wird, können wir noch nicht sagen", erklärt der Chef der RKI-Projektgruppe "Transmissible Spongiforme Encephalopathien". Dabei verspricht er sich von Einblicken in die Verbreitung entscheidende Fortschritte: vCJK könnte womöglich früher erkannt werden.

"Bis es Therapien gibt, kann es noch Jahre dauern", betont Prof. Hans Kretzschmar. Noch findet die Suche nach Medikamenten lediglich in Zellkulturen statt, sagt der Chef des Instituts für Neuropathologie der Universität München. So soll der Erreger bestimmte Enzyme zu seiner Verbreitung benötigen. Diese könnten dann im Körper vermindert werden.

Neben Tausenden BSE-Fällen in Großbritannien waren auch in anderen europäischen Ländern kranke Rinder aufgefallen - unter anderem in Deutschland. "Das Worst-Case-Szenario ist, dass sich bereits zahlreiche Menschen mit dem Erreger infiziert haben, bevor BSE Mitte der achtziger Jahre erkannt worden ist", sagt der Göttinger Neuropathologen Walter Schulz-Schaeffer. Bislang waren überwiegend junge Menschen betroffen. Für Statistiker ist das ein Indiz dafür, dass zwischen der Infektion und dem Ausbruch nur einige Jahre liegen. Der Tod eines 74-jährigen vCJK-Opfers in England beunruhigt nun die Forscher. Womöglich ist die Inkubationszeit doch länger. Britische Wissenschaftler befürchten bislang mehr als 200 000 vCJK-Tote. Es könnten sogar mehr sein.

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Hoffnungen setzt die Forschung auf bestimmte genetische Konstellationen. Rund 40 Prozent der Bevölkerung erkranken demnach wegen einer bestimmten Variante im eigenen Prion-Protein-Gen eher an vCJK, als die übrigen 60 Prozent, sagt Schulz-Schaeffer. Das wahre Ausmaß der tödlichen Epidemie kann jedoch noch niemand abschätzen. "Hinweise auf andere Übertragungswege durch Sozialkontakt gibt es nicht", stellt Schulz-Schaeffer fest. Der Forschung fehlen auch noch Beweise dafür, dass der Verzehr von BSE-verseuchtem Rindfleisch für eine Infektion ausreicht. Die Kranheit befällt schließlich hauptsächlich das Gehirn der Rinder. Außerdem könnten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auch Hühner, Schweine und Schafe für den Menschen gefährlich werden. BSE-Erreger können sich auch hier vermehren.

(RPO Archiv)