London: Briten zwingen Murdoch vor Untersuchungsausschuss

London : Briten zwingen Murdoch vor Untersuchungsausschuss

Rupert Murdoch und sein Sohn James werden der Aufforderung des stellvertretenden britischen Premierministers Nick Clegg folgen, vor einem Parlamentsausschuss zum Abhörskandal bei der "News of the World" auszusagen. Das ließen die Murdochs gestern mitteilen. Es gebe wichtige Fragen, die Rupert Murdoch beantworten müsse, hatte Clegg, der Chef der Liberaldemokraten, vorher betont.

"News of the World" gehörte zum Konzern News International, der britischen Tochterfirma von News Corp., dem Medienimperium von Rupert Murdoch. Wegen des Abhörskandals hatte Murdoch die 168 Jahre alte Zeitung eingestellt und am Mittwoch auf die Übernahme des britischen Fernsehsenders BSkyB verzichtet. Die britische Politik gibt sich damit aber offensichtlich nicht zufrieden: Laut Nick Clegg droht Murdoch sogar der Entzug seiner Fernsehlizenz. Die britische Medienaufsicht Ofcom prüfe, ob der Unternehmer überhaupt dafür geeignet sei, eine TV-Station zu besitzen. Der britische Parlamentsausschuss für Kultur, Medien und Sport hatte gefordert, mit den Murdochs müsse Rebekah Brooks, die Chefin von News International, in der kommenden Woche vor dem Gremium erscheinen. Brooks erklärte sich nach Angaben britischer Abgeordneter ebenfalls zur Aussage vor dem Ausschuss bereit.

Scotland Yard meldete unterdessen im Zuge der Ermittlungen zum Abhörskandal bei der "News of the World" eine siebte Festnahme. Ein 60-jähriger Mann sei gestern früh in seiner Wohnung festgenommen worden, erklärte die Londoner Polizei. Grund sei die Vermutung, er sei an Abhöraktionen beteiligt gewesen. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Neil Wallis, der von 2003 bis 2007 Stellvertreter unter Chefredakteur Andy Coulson war. Coulson war am vergangenen Freitag festgenommen worden.

Premierminister David Cameron hat einen Ermittlungsrichter eingesetzt, der nicht nur den Skandal aufklären, sondern sich auch mit der Kontrolle der Medien befassen soll, mit den Beziehungen zwischen Politik und Presse und der Möglichkeit, dass illegale Praktiken weiter verbreitet sind als bisher bekannt. "Das geht eindeutig über News International hinaus", sagte Clegg. "Das ist eindeutig etwas Systemisches."

Auch in den USA droht Murdoch Ärger: Einflussreiche Politiker fordern eine Untersuchung gegen ihn wegen seines New Yorker Medienunternehmens News Corp. Branchenkennern zufolge leidet unter der Affäre bereits das gesamte Medienimperium.

(RP)
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